Sind Bier, Sekt und Wein weniger schädlich als harter Alkohol?

Wenn Alkohol über die Blutbahn bis in Organe und Gewebe gelangt, kann er dort langfristig vielfältige Schäden anrichten. So kann Alkohol beispielsweise …

  • … über sein Abbauprodukt Acetaldehyd, das ein Zellgift ist, Schäden am Erbgut verursachen und die Entstehung von Krebs begünstigen.
  • … zu Zellschäden führen, da er die Bildung von freien Radikalen im Körper fördert.
  • … einen Mangel an Vitaminen und anderen Nährstoffen auslösen, indem er deren Aufnahme hemmt.

Kein Wunder, dass gesundheitsschädlicher Konsum von Alkohol als (mit)verantwortlich für über 200 verschiedene Krankheiten gilt. Dazu zählen etwa:

  • Krebserkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (z.B. Magenschleimhaut-, Bauchspeicheldrüsen- und Leberentzündungen, Gicht)

Doch was genau heißt gesundheitsschädlich? Dem allgemeinen Sprachgebrauch nach zu urteilen müssten alkoholische Getränke mit geringerem Alkoholgehalt weniger schädlich sein als Spirituosen, die in der Regel mindestens 15 Volumenprozent Alkohol enthalten. Schließlich wird solch hochprozentiger Alkohol auch als harter Alkohol bezeichnet.

Zumindest handeln viele Menschen in Deutschland so, als seien sie mit niedrigprozentigem Alkohol auf der sicheren Seite: Täglich Bier oder Wein zu trinken ist hierzulande häufig die Regel. Allein der jährliche Bierkonsum beträgt im Durchschnitt über 100 Liter pro Person – das entspricht knapp 317 Flaschen à 0,33 Liter.

Wer diese Form des Alkoholkonsums für harmlos hält, unterliegt jedoch einem Irrtum: Denn entscheidend ist nur, wie viel Alkohol man insgesamt trinkt – die Art des Getränks spielt dabei keine Rolle. Anders ausgedrückt: Egal, ob Sie 300 Milliliter Bier, 125 Milliliter Wein oder 40 Milliliter Whisky trinken – mit jedem dieser Getränke nehmen Sie die gleiche Menge Reinalkohol zu sich.

Dabei ist die Menge Alkohol, ab der mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist, schneller erreicht als gedacht: Nur wer durchschnittlich weniger als 100 Gramm Reinalkohol pro Woche trinkt, schadet seiner Gesundheit nicht oder kaum.

Bei Männern und Frauen, die höhere Alkoholmengen konsumieren, verkürzt sich die Lebenserwartung im Durchschnitt …

  • … um ein halbes Jahr bei einem wöchentlichen Konsum von 100 bis 200 Gramm Alkohol.
  • … um zwei Jahre bei einem wöchentlichen Konsum von 200 bis 350 Gramm Alkohol.
  • … um fünf Jahre bei einem wöchentlichen Konsum von mehr als 350 Gramm Alkohol.

Niedrigprozentiger Alkohol ist also keineswegs harmlos: Schon das tägliche Glas Wein oder Bier kann Leber, Gehirn und andere Organe schädigen und das Risiko für Krebs erhöhen. Daher empfehlen Fachleute …

  • … Frauen, höchstens 12 Gramm Alkohol pro Tag zu trinken – etwa ein kleines Bier (0,3 Liter) oder ein kleines Glas Wein (0,125 Liter).
  • … Männern, höchstens 24 Gramm Alkohol pro Tag zu trinken – beispielsweise zwei kleine Bier (0,6 Liter) oder ein großes Glas Wein (0,25 Liter).
  • … allgemein, an mindestens zwei Tagen pro Woche gar keinen Alkohol zu trinken, damit das Trinken nicht zur Gewohnheit wird.

Kurz und bündig:

  • Alkohol zu trinken bringt keinerlei gesundheitliche Vorteile.
  • Je mehr Alkohol man trinkt, desto schädlicher ist er.
  • Bier, Sekt und Wein sind genauso schädlich wie Schnaps.

Quellen

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Ausklärung (BZgA): www.kenn-dein-limit.de (Abrufdatum: 26.11.2019)

Alkohol. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 6.11.2019)

Lange, C., et al.: Alkoholkonsum von Erwachsenen in Deutschland: Riskante Trinkmengen, Folgen und Maßnahmen. Journal of Health Monitoring, Jg. 1, Ausgabe 1, S. 2-21 (September 2016)

Weitere Informationen

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Linktipps:

  • www.kenn-dein-limit.deInformationen und Tipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Ausklärung (BZgA) rund um gesundheitsbewussten Alkoholkonsum

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