Immer kalte Hände und Füße? Dahinter kann das Flammer-Syndrom stecken

Schlanke Menschen, die permanent unter kalten Füßen und kalten Händen leiden, sollten sich unbedingt medizinisch durchchecken lassen. Denn oft steckt das Flammer-Syndrom dahinter, das zu riskanten Folgeerkrankungen wie dem Grünen Star führen kann. Besonders eine Personengruppe ist häufig betroffen.

Normalerweise haben schlanke Menschen bessere gesundheitliche Prognosen als Dicke – denn für viele Krankheiten, die zum Beispiel von Übergewicht begünstigt werden, besteht ein viel geringeres Risiko. Dennoch gibt es Erkrankungen, die speziell schlanke Menschen betreffen können – selbst, wenn sie sportlich durchtrainiert sind.

Dazu gehört das sogenannte Flammer-Syndrom, das nach dem Schweizer Augenarzt Josef Flammer benannt wurde. In den 80er-Jahren entdeckten er und sein Team, dass Menschen mit einem Normaldruck-Glaukom (grüner Star ohne erhöhten Augeninnendruck) häufig an einer primären vaskulären Dysregulation (PVD) litten – also einer Störung der Augendurchblutung. Im Laufe der Studien zeigte sich, dass bei Menschen mit einer PVD häufig auch andere Symptome auftraten:

  • kalte Hände und Füße
  • niedriger Blutdruck
  • verlängerte Einschlafzeit
  • geringes Durstgefühl
  • empfindlich gegenüber Medikamenten
  • geruchsempfindlich
  • schmerzempfindlich
  • wetterfühlig
  • Tinnitus
  • Muskelkrämpfe

Psychosoziale Komponente besonders wichtig – Frauen häufig betroffen

Neben einer schlanken Physis stellten die Forscher auch eine psychische Komponente fest: So leiden Menschen, die erfolgreich und perfektionistisch sind, häufiger unter dem Flammer-Syndrom.

Gerade dieser psychosozialen Komponente misst Dr. Olga Golubnitschaja, Leiterin der Experimentellen Radiologie am Universitätsklinikum Bonn, eine besondere Bedeutung bei. Die häufig beschriebenen Symptome seien nur die Spitze des Eisbergs: „Unter der Oberfläche verbirgt sich unter anderem ein spezifisches psycho-soziales Verhalten“, so die Medizinerin.

Das heißt, dass "… Betroffene einen ausgeprägten Perfektionismus und eine klare Prioritätensetzung für die Bedürfnisse anderer gegenüber den eigenen zeigten. Zudem leiden sie unter einer selbst ausgelösten Stress-Spirale“, schildert die Medizinerin. Am häufigsten betroffen seien dabei vor allem folgende Personengruppen: Frauen, Akademikerinnen und Akademiker.

Von Magersucht bis Brustkrebs – viele Erkrankungen hängen damit zusammen

So zeigt die Medizinerin in einem kürzlich veröffentlichten Buch ("Flammer Syndrome: From Phenotype to Associated Pathologies, Prediction, Prevention and Personalisation", Springer 2019) auch, dass das Flammer-Syndrom nicht nur mit einem Normaldruck-Glaukom in Verbindung steht: „Unsere Entdeckungen zeigen klar und deutlich, dass das Flammer-Syndrom von großer klinischer Bedeutung ist“. So sei es auch für psychiatrische Erkrankungen wie Magersucht relevant sowie für kardiovaskuläre, immunologische und onkologische Erkrankungen – genauso wie für Mund und vaginale Trockenheit, chronische Entzündungen und verlangsamte Wundheilung, Brustkrebs sowie Schlaganfälle in jungem Alter.

Da die Symptome des Flammer-Syndroms früh im Leben auftreten, meistens in der Pubertät, plädiert die Ärztin für eine Frühdiagnostik: „In diesem Alter hat man die seltene Chance, an umkehrbaren Gesundheitsschäden kostengünstig zu arbeiten – im Gegenteil zum fortgeschrittenen Alter, wenn sich die bereits klinisch manifestierten Krankheiten oft nur noch begrenzt effektiv behandeln lassen“, so die Ärztin.

In der Regel nehmen während der Pubertät die Symptome zu und im Alter wieder ab – bei Frauen beispielsweise nach der Menopause. 

Therapie-Möglichkeiten

Ob und wie das Flammer-Syndrom behandelt wird, hängt von den Symptomen ab und wie stark sie ausgeprägt sind. Bei einem Normaldruck-Glaukom können wie beim normalen Glaukom drucksenkende Augentropfen bzw. ein operativer Eingriff nötig sein. Dennoch kann eine auf drei Säulen basierende Therapie Symptome lindern:

  • Lebensstil: Dazu gehört die Reduktion von Stress genauso wie ein guter Schutz gegen Kälte. Auch ein gesunder Schlaf hilft dabei, Stress abzubauen genauso wie regelmäßiger Sport – aber eben nicht exzessiv.
  • Ernährung: Da extrem schlanke Menschen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko tragen, ist es wichtig ein Normalgewicht herzustellen. Bei niedrigem Blutdruck sollte eine höhere Salz- und Flüssigkeitsaufnahme erfolgen. Außerdem stärkt die Aufnahme von Omega-3- Fettsäuren zum Beispiel in Form von Fisch die Blutgefäße. Mediziner empfehlen außerdem eine antioxidative Ernährung mit vielen Beeren, Tomaten, Kakao sowie Grün- und Schwarztee.
  • Medikamente: Magnesium hilft bei der Regulierung der Durchblutung. Daher empfehlen Mediziner die Einnahme von mindestens 10 bis 20 mmol täglich. Auch Ginkgo biloba, das bei Durchblutungsstörungen sowie bei Tinnitus und Schwindel angewandt wird, kann Betroffenen helfen.

Wenn Walnüsse den Schütteltest nicht bestehen, sollten Sie sie auf keinen Fall essen

FOCUS Online/Wochit Wenn Walnüsse den Schütteltest nicht bestehen, sollten Sie sie auf keinen Fall essen  

Quelle: Den ganzen Artikel lesen