Coronavirus

SPIEGEL: Frau Betsch, Sie erforschen seit Jahren, warum sich Menschen impfen lassen oder nicht. Was können Politiker aus diesen Studien lernen?

Betsch: Wichtig wäre, darauf zu reagieren, dass die Menschen im Moment ein riesiges Bedürfnis nach Informationen über den Corona-Impfstoff haben. Das ist anders als bei Impfungen, die selten aufgefrischt werden müssen und altbekannt sind. Dieses Bedürfnis ist unterschätzt worden. Das hat vermutlich mit dazu geführt, dass sich erst einmal eine relevante Zahl von Pflege­kräften in Seniorenheimen und Krankenhäusern nicht impfen lassen wollte.

Cornelia Betsch ist Professorin für Psychologie und Gesundheitswissenschaften an der Universität Erfurt. Seit Beginn der Pandemie leitet sie das Projekt »Cosmo«, das die psychologische Lage der Bevölkerung untersucht. Die wöchentlichen Umfragen werden unter anderem vom RKI und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unterstützt. Die Forscherin beriet auch die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten vor der Verlängerung des Shutdowns.

SPIEGEL: Sie meinen, das hätte sich voraussehen lassen?

Betsch: Die Erfahrung mit der Grippeimpfung hat diese Entwicklung nahegelegt. Bei der Influenza hat man es ebenfalls mit einem ständig mutierenden Virus zu tun, das jedes Jahr nach einem veränderten Impfstoff verlangt. Auch da reagieren Menschen in pflegerischen und medizinischen Assistenzberufen eher skeptisch: Weniger als die Hälfte lässt sich impfen.

SPIEGEL: Warum ist das so?

Quelle: Den ganzen Artikel lesen