Zu heiß für diese Welt? Forscher befürchten lebensfeindliche Hitze in Asien

Dunkelrot und lila sind derzeit auf der ganzen Welt in Mode – allerdings nicht bei den Sommerklamotten, sondern auf den Wetterkarten. Fast 40 Grad in Deutschland, um die 45 Grad in Frankreich – in Indien fiel im heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung zeitweise sogar die 50-Grad-Marke. Nach offiziellen Angaben starben auf dem Subkontinent bisher mehr als 100 Menschen an den Folgen dieser extremem Hitzewelle. Und die Menschen im bevölkerungsreichsten Land der Erde könnte es laut einem Bericht des Weltklimarats (IPCC) in den kommenden Jahren noch härter treffen. Die Experten des IPCC fürchten, dass die Bedingungen in einigen Regionen bald derart lebensfeindlich werden, dass Menschen dort auf Dauer nicht überleben können.

Meteorologen registrieren fast 500 Hitzewellen 

Zwischen März und Juli brechen die Hitzewellen in der Regel über Indien herein. Das ist schon seit Jahren so. Doch seit zehn Jahren werden sie nicht nur intensiver, sondern auch auch länger. Vor allem aber häufen sie sich. Fast 500 Hitzewellen registrierten die Meteorologen allein im Sommer 2018 – 2010 waren es nach ihren strengen Kriterien noch 21 gewesen. Mehr als 5.000 Menschen sollen in diesem Zeitraum an den Folgen der extremen Hitzewellen gestorben sein. Angesichts von mehr als einer Milliarde Einwohnern mag man das kaum glauben. 

Hitzerekord

Bis zu 45 Grad erwartet: Erstmals Alarmstufe Rot in Frankreich ausgerufen

Der Juni 2019 war nicht nur in Deutschland der heißeste seit Meteorologen das Wetter beobachten und aufzeichnen. In Churu, einer 120.000-Einwohner-Stadt in der nordindischen Provinz Rajasthan, kletterten die Temperaturen auf unfassbare 50,6 Grad Celsius. In Bihar, der ärmsten Provinz des Landes, schlossen die Behörden für fünf Tage sämtliche Schulen und Universitäten. Die Menschen wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Viele Millionen gingen trotzdem zur Arbeit, weil sie das Geld zum Überleben brauchen. Eine Zwickmühle, aus der viele Inder auch in den kommenden Jahrzehnten kaum herauskommen werden. Denn die Aussichten der Klimaforscher sind düster.

Horrorszenarien für Teile Indiens und Bagladesh

Nach den von der IPCC vorgestellten Szenarien wird die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu 4,5 Grad Celsius ansteigen. Das ist nicht nur weit über dem im Pariser Klimaabkommen beschlossenen Ziel einer Erderwärmung von weniger als zwei Grad Celsius – in weiten Teilen Südasiens sowie einigen Regionen im Nordosten Indiens und in Bangladesh würde es nach der Einschätzung von Forschern am Indian Institute of Tropical Meteorology (MIT) die Grenze zur Überlebensfähigkeit überschreiten. 2015 hatten Forscher im Fachmagazin „Nature Climate Change“ bereits ähnliche Befürchtungen für einige Regionen am Persischen Golf geäußert.

Wenn die Klimaanlage des Körpers versagt

Die Theorie der Wissenschaftler basiert auf der sogenannten „Feuchtkugeltemperatur“, in der die Kombination aus Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit analysiert und bewertet wird. Der Grund: Für den Menschen wird Hitze genau dann lebensgefährlich, wenn der Organismus nichts mehr verdunsten kann, weil der normale Kühlungsmechanismus von extremer Luftfeuchtigkeit behindert wird. Die Grenze, mit der man die Feuchtkugeltemperatur benennt, ist die, bis zu der der natürliche Kühlungseffekt noch funktioniert. Für die genannten Regionen liegt diese Grenze bei 35 Grad. Steigt dieser Wert, ist die Kühlungskapazität erschöpft. Das Gefährliche an diesem Szenario: Es ist selbst für gesunde und fitte Menschen lebensgefährlich.

Quellen: „CNN“, „Deutschlandfunk“

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