Wer zuerst, wer zuletzt? Mit dieser Impfstrategie will Deutschland Corona besiegen

Nach der ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts (Stiko) und dem Bundesgesundheitsministerium hat nun auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) grünes Licht für die Zulassung des ersten Corona-Impfstoffs in der EU gegeben. FOCUS Online zeigt, wer wann und wie geimpft werden soll.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) stimmte am Montag zu, dem deutsch-amerikanischen Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmariesen Pfizer eine Zulassung für den europäischen Markt zu erteilen.

Die bedingte Marktzulassung des Präparates sei ein "Meilenstein", sagte die EMA am Montag in Amsterdam. Sobald die EU-Kommission die Zulassung genehmigt hat, steht dem Beginn von Corona-Impfungen in der EU nichts mehr im Wege. Diese Entscheidung soll laut der Vorsitzenden Ursula von der Leyen noch am heutigen Montag getroffen werden.

Die ersten Menschen sollen in Deutschland bereits am 27. Dezember geimpft werden. "Das ist wirklich eine historische wissenschaftliche Leistung", sagte EMA-Direktorin Emer Cooke.

Gesundheitsminister stellt deutsche Impfverordnung vor

Bereits am Freitag erläuterte Gesundheitsminister Jens Spahn die vom Bund beschlossene Verordnung, die offiziell regeln soll, wie der neue Corona-Impfstoff verteilt werden soll. Der vorgestellte Plan unterscheidet sich leicht von den Empfehlungen der ständigen Impfkommission Stiko, indem er nicht wie von ihr vorgeschlagen sechs, sondern vorerst nur drei Impfgruppen unterschied:

  • Gruppe 1 ("höchste Priorität"): Über 80-Jährige, Hochbetagte und pflegebedürftige Menschen, aber auch medizinisches Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, im Rettungsdienst sowie Personal im ambulanten Pflegebereich
  • Gruppe 2: Personen ab 70 Jahren, Demenzkranke, Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten, Bewohner von Obdachlosen- oder Asylbewerberunterkünften und enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen
  • Gruppe 3: Über 60-Jährige, chronisch Kranke, Menschen "in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen" sowie Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter im Einzelhandel

Wie es danach weitergehen soll, ließ der Gesundheitsminister zunächst offen. Spahn betonte aber, dass die heute unterzeichnete Verordnung immer wieder angepasst werden würde.

Impfstrategie für Deutschland: Das empfiehlt die Stiko

Auch die offizielle Empfehlung der ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts sieht den Schutz der gefährdetsten Personengruppe an oberster Stelle. Da anfangs nur eine begrenzte Menge an Impfstoffdosen zur Verfügung steht, sollten diese nach der Empfehlung der Stiko dafür genutzt werden, um die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe und Sterbefälle möglichst schnell zu reduzieren. Die Impfung sollte daher zunächst Personen über 80 Jahren und Bewohnerinnen und Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen angeboten werden. Diese sind besonders gefährdet.

Gleichzeitig empfiehlt die Stiko die Impfung medizinischem Personal mit sehr hohem Ansteckungsrisiko und Personal in der Altenpflege. Sie zählen zu den Personen, die in der Stufe 1 des Impfplans geimpft werden sollen.

Bei zunehmender, aber weiterhin limitierter Impfstoffverfügbarkeit sollen weitere Personengruppen in einem Stufenmodell folgen; in Stufe 2 vorgesehen sind:

  • Personen im Alter von ≥75 – 79 Jahren
  • Personal mit hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • Personen mit einer Demenz oder geistigen Behinderung in Institutionen
  • Tätige in der ambulanten oder stationären Versorgung von Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung
  • Personen mit Down-Syndrom (Trisomie 21)

Sind diese Personengruppen durchgeimpft, folgen diejenigen der Stufe 3. Dazu zählt die Stiko:

  • Personen im Alter von ≥70 – 74 Jahren
  • Personen nach Organtransplantation
  • Personen mit Vorerkrankungen mit hohem Risiko
  • BewohnerInnen und Tätige in Gemeinschafts-unterkünften
  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Enge Kontaktpersonen bzw. Pflegende von Personen mit hohem Risiko
  • Personal mit moderatem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen und in Positionen, die für die Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur besonders relevant sind
  • Teilbereiche des ÖGD Stiko Der Impfplan der Stiko im Überblick

In Stufe 4 des Impfplans dran sind dann laut Stiko:

  • Personen im Alter von ≥ 65 – 69 Jahren
  • Personen mit Vorerkrankungen mit moderat erhöhtem Risiko und deren engste Kontaktpersonen
  • Personal mit niedrigem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
  • LehrerInnen
  • ErzieherInnen
  • Personen mit prekären Arbeits- und/oder Lebensbedingungen

Anschließend in Stufe 5 zur Impfung berechtigt sind dem Plan nach:

  • Personen im Alter von ≥ 60 – 64 Jahren
  • Personal in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen
  • Beschäftigte im Einzelhandel
  • Beschäftigte zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit mit erhöhtem Expositionsrisiko
  • Berufsgruppen der kritischen Infrastruktur

Stufe 6: Alle restlichen Personengruppen

Sind sie alle erfolgreich durchgeimpft, sollen auch Personen unter 60 Jahren und ohne relevante Risikofaktoren geimpft werden können.

Stiko-Chef: Alter ist der Hauptrisikofaktor

"Der alles entscheidende Risikofaktor für eine schwere Covid-19-Erkrankung ist das hohe Alter", erklärt Stiko-Vorsitzender Thomas Mertens das Vorgehen. Modellrechnungen zeigten, dass durch die Impfung dann die meisten schweren Erkrankungen und Todesfälle verhindert werden könnten, wenn die Impfung zuerst Menschen ab 80 Jahren angeboten werde.

Gerade in Alten- und Pflegeheimen würden gerade viele Ausbrüche und Todesfälle beobachtet: "Durch eine zielgerichtete Impfung dieser beiden Personengruppen – Menschen über 80 Jahre und Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen – können auch die meisten Krankenhauseinweisungen verhindert und Krankenhäuser spürbar entlastet werden", ist sich Mertens sicher.

Mittelfristig sei es das Ziel, allen Menschen Zugang zu einer Covid-19-Impfung anbieten zu können. "Um die Ausbreitung von Sars-CoV-2 deutlich abzuschwächen, muss ein Großteil der Bevölkerung eine Immunität gegen das Virus entwickeln", sagt Lothar Wieler, der Präsident des Robert Koch-Instituts. Die Impfung mit effektiven und sicheren Impfstoffen leiste daher einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie. Allerdings werde es dauern, bis ein relevanter Teil der Bevölkerung durch die Impfung vor Covid-19 geschützt sei.

Zudem ist bisher unklar, in welchem Maße die Impfung auch Übertragungen des Virus verhindert oder zumindest reduziert: "Um Infektionen mit SARS-CoV-2 zu vermeiden, bleiben Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und die AHA+A+L-Regeln – Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Alltagsmaske tragen, Corona-Warn-App nutzen und Lüften – weiter essentiell", unterstreicht RKI-Chef Wieler.

Ab wann wird geimpft?

Spahn setzt auf eine Zulassung des ersten Impfstoffes noch vor Weihnachten. Danach könnte man seinen Angaben zufolge innerhalb von zwei bis vier Tagen mit ersten Impfungen beginnen – also noch in diesem Jahr. Zunächst aber nur in kleinerem Umfang, da vorerst nur begrenzte Impfstoffmengen verfügbar sind. Auch die Impfzentren dürften daher anfangs noch nicht unter Volllast arbeiten.

Details, wann welche Personengruppe im Jahresverlauf 2021 geimpft werden sollen, hat die Stiko bisher nicht veröffentlicht. Bis Menschen ohne offensichtliche Risikofaktoren die Impfung bekommen, könnte es Berichten nach aber bis Dezember 2021 dauern.

Kanzlerin trug Liste mit 14 Kategorien mit sich

dpa Kanzlerin Angela Merkel trug am Mittwochmorgen eine Liste mit sich, die die Bundesbürger in 14 Impfkategorien unterteilt. Zwischenzeitlich war eine andere Liste mit 14 Kategorien kursiert: Kanzlerin Angela Merkel trug sie am Mittwochmorgen unbedeckt mit sich. Auf dem Foto einer Nachrichtenagentur ist sie deutlich lesbar. Diese Liste unterteilte die Bundesbürger in die folgenden Kategorien:

  • Mitarbeiter im Gesundheitswesen: Impfpersonen: 4,46 Mio., Impfbereitschaft: 80 Prozent
  • Stationäre Krankenhausbehandlung/Pflege: Impfpersonen: 1,2 Mio., Impfbereitschaft: 80 Prozent
  • Bevölkerung über 80 Jahre: Impfpersonen: 4 Mio., Impfbereitschaft: 80 Prozent
  • Bevölkerung 70 – 79 Jahre: Impfpersonen: 5,6 Mio., Impfbereitschaft: 80 Prozent
  • Polizei, Soldaten: Impfpersonen: 420 000, Impfbereitschaft: 70 Prozent
  • Feuerwehr, THW: 980 000, Impfbereitschaft: 70 Prozent
  • Bevölkerung 60 – 69 Jahre: Impfpersonen: 7,35 Mio., Impfbereitschaft: 70 Prozent
  • Vulnerabel unter 60 Jahre: 2,31 Mio., Impfbereitschaft: 70 Prozent
  • Lehrer, Hochschullehrer, Kindergärtner: Impfpersonen: 1,2 Mio., Impfbereitschaft: 60 Prozent
  • Politische Führung, zentrale Verwaltung: Impfpersonen: 300 000, Impfbereitschaft: 60 Prozent
  • Verwaltung sonstige: 1,02 Mio., Impfbereitschaft: 60 Prozent.
  • Kundenkontakt Friseure, Einzelhandel: Impfpersonen: 1,8 Mio., Impfbereitschaft: 60 Prozent.
  • Sonstige Bevölkerung: Impfpersonen: 15,5 Mio., Impfbereitschaft 50 Prozent
  • Alter bis 12 Jahre (keine Zahlen)

Eine genaue Abbildung der Impf-Reihenfolge stellt die Liste aber nicht dar, wie die jetzt veröffentlichte Stiko-Empfehlung zeigt. Das Kanzleramt nutzt die Liste vermutlich vielmehr dafür, den Bedarf an Impfdosen anhand der Größe von Bevölkerungsgruppen abzuschätzen.

Woher weiß ich, dass ich dran bin und wie bekomme ich einen Termin?

Noch ist nicht klar, ob Zugehörige der einzelnen Gruppen direkt kontaktiert werden oder sich selbst um einen Termin kümmern müssen. Wahrscheinlicher ist jedoch die letztere Variante: Gehören Sie zu einer der genannten Gruppen, sollten Sie sich also zu gegebener Zeit selbst um einen Termin in einem Impfzentrum kümmern.

Wo wird geimpft?

Messehallen, Sportzentren, Hotels: Für einen baldigen Start von Corona-Impfungen sind in ganz Deutschland regionale Zentren eingerichtet worden, über die Impfungen zunächst gebündelt anlaufen sollen. Bis zu 440 Standorte sollen dafür genutzt werden können. Die Kapazitäten sollen so ausgelegt werden, dass in den Ländern jeweils mehrere Tausend Impfungen am Tag möglich wären. Wo die Testzentren genau eingerichtet sind, lesen Sie hier.

Zu Impfzentren umfunktioniert wurden verschiedenste Gebäude – in Baden-Württemberg beispielsweise ein Baumarkt, eine Tennishalle und das Kulturzentrum Liederhalle in Stuttgart. In Schleswig-Holstein kommen Impfzentren in einen früheren Indoor-Spielplatz, ins Foyer der Musik- und Kongresshalle Lübeck und in ein leerstehendes Gebäude in Flensburg, das eigentlich das Kraftfahrt-Bundesamt nutzen sollte.

Nach dem Start in zentralen Einrichtungen sollen Impfungen perspektivisch auch über Arztpraxen verteilt stattfinden. Wann umgeschaltet werden kann, ist offen.

Sind die Impfzentren schon bereit?

Bund und Länder hatten vereinbart, mit den Impfzentren bis Mitte Dezember weitgehend einsatzbereit zu sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Dienstagabend in der ARD, dies sei auch gelungen, Impfzentren und Impfstrukturen stünden nun bereit.

Allerdings gilt das noch nicht überall. In Berlin soll es bis zum 21. Dezember so weit sein, in Brandenburg mit elf geplanten Zentren bis Anfang Januar, wie es von den Behörden hieß. In Baden-Württemberg sollen neun zentrale Impfzentren Mitte Dezember einsatzbereit sein, rund 50 weitere „Kreisimpfzentren“ dann ab 15. Januar 2021. In Schleswig-Holstein sollen vorerst 15 Zentren für jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt Mitte Dezember startklar sein, insgesamt sind bis zu 29 Zentren vorgesehen – je nach verfügbarer Menge an Impfstoffen.

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