Hochrisikopatienten und wichtiges Personal sollen zuerst gegen COVID-19 geimpft werden

Die Hoffnung auf wirksame Impfstoffe gegen COVID-19 ist groß. In der Wissenschaft ist man optimistisch, dass mit ihnen die Corona-Pandemie 2021 in den Griff zu bekommen ist. Allerdings: Es wird nicht sofort für jeden Impfstoff bereitstehen. Daher ist es wichtig zu regeln, wer prioritär geimpft werden sollte – und auf welchem Wege dies geschehen soll. Experten der STIKO, des Deutschen Ethikrats und der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina haben zu diesen Fragen ein Positionspapier vorgelegt. Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist es eine „gute Grundlage“ für die nun erforderlichen politischen Schritte.  

Anfang nächsten Jahres könnte der erste Impfstoff zum Schutz vor COVID-19 verfügbar sein. Erst am heutigen Montag gaben Biontech und Pfizer erste Zwischenergebnisse aus der Phase-3-Studie bekannt, wonach ihr RNA-Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz biete – und das ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Weitere Hersteller werden nachziehen. 

Doch reichen wird der ersehnte Impfstoff zunächst nur für wenige Menschen. Wie soll also der Zugang zu dem Impfstoff gerecht und solidarisch geregelt werden, wer soll zuerst geimpft werden? Mit diesen Fragen hat sich auf Bitten des Bundesgesundheitsministers eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Deutschen Ethikrats, der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina und der am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelten Ständigen Impfkommission (STIKO) befasst. Am heutigen Montag stellten Ethikrat-Vorsitzende Professor Dr. Alena Buyx, STIKO-Chef Professor Dr. Thomas Mertens und Leopoldina-Präsident Professor Dr. Gerald Haug ihr gemeinsames Positionspapier vor. 

Die Zuversicht und der Optimismus, dass die erwarteten Impfstoffe die Pandemie werden in Schach halten können, waren bei der Pressekonferenz spürbar. Mertens betonte, dass es für die STIKO um Vakzine der besonderen Art geht: Erstmals muss sie sich mit Impfstoffen auseinandersetzen, auf deren Daten aus Phase-3-Studien sie noch warten muss, die also noch gar nicht zugelassen sind. Besonders sei die Situation aber auch deshalb, weil eine Priorisierung nötig sei.

Die Frage, wer zuerst geimpft werden darf, ist nicht nur eine medizinisch-empirische, sondern auch eine, die ethisch, rechtlich und praktisch durchdacht sein muss. Genau diese Überlegungen haben die Autoren aus den drei Institutionen in ihrem Positionspapier zusammengeführt.

Angesichts noch ausstehender Studiendaten kann es noch keine detaillierte Impfempfehlung der STIKO geben. Die ethischen und rechtlichen Prinzipien, nach denen eine Priorisierung zu erfolgen hat stehen für die Arbeitsgruppe aber schon fest: Neben der Selbstbestimmung – die eine allgemeine Impfpflicht ganz klar ausschließt – sind dies die Nichtschädigung beziehungsweise der Integritätsschutz, die Gerechtigkeit, die grundsätzliche Rechtsgleichheit, die Solidarität sowie die Dringlichkeit.

Impfziele – und was sie konkret bedeuten

Diese Prinzipien  schlagen sich in vier konkreten Impfzielen nieder, wie Buyx erläuterte:

  • Verhinderung  schwerer COVID-19-Verläufe (Hospitalisation)  und  Todesfälle
  • Schutz von Personen mit besonders hohem arbeitsbedingten SARS-CoV-2-Expositionsrisiko (berufliche Indikation)
  • Verhinderung von Transmission sowie Schutz in Umgebungen mit hohem Anteil vulnerabler Personen und in solchen mit hohem Ausbruchspotenzial
  • Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen und des öffentlichen Lebens

Was heißt das konkret? Zunächst sollen Menschen geimpft werden, die wegen ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustands ein signifikant höheres Risiko für einen schweren oder gar tödlichen Krankheitsverlauf haben. Zudem Mitarbeiter in Kliniken und Pflegeheimen, die sich um diese Hochrisikopatienten kümmern. Die dritte Gruppe bilden Personen, die in wichtigen Bereichen der Daseinsvorsorge arbeiten beziehungsweise das öffentliche Leben aufrechterhalten, etwa Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden und der Polizei, Erzieher und Lehrer.

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