Grippe könnte mit voller Wucht zurückkehren: Eine Gruppe ist besonders gefährdet

Wenn die Corona-Pandemie etwas Gutes hatte, dann war es der Umstand, dass die Schutzmaßnahmen bisher eine Grippewelle verhindert haben. Doch das könnte sich blitzschnell ändern. Denn auch in Deutschland nimmt die Zahl der Grippefälle rasant zu. Experten befürchten sogar eine Twindemic, die besonders eine Gruppe stark gefährden könnte.

Maske tragen, Abstand halten und Lockdown – die Maßnahmen haben vergangenen Winter dafür gesorgt, dass die Grippewelle komplett entfallen ist. Wenigstens ein Gutes in der unerfreulichen Corona-Pandemie. Doch damit scheint es nun vorbei zu sein. Denn nicht nur die Omikron-Fallzahlen steigen in Deutschland an, auch die Influenza-Viren sind auf dem Vormarsch.

So meldet das Robert-Koch-Institut, dass die Anzahl der Grippefälle in Deutschland derzeit steige. Im aktuellen Wochenbericht ist die Rede von 151 labordiagnostisch bestätigten Fällen. Noch seien die Zahlen aber zu gering, um von einer Welle zu sprechen.

Grippezahlen steigen auch in anderen Ländern

Dass die Influenza aber zurückkommt, zeigt sich auch an den Zahlen in anderen europäischen Ländern. Laut Weltgesundheitsorganisation lagen die Positivraten in einigen Ländern schon deutlich über zehn Prozent: In Frankreich beispielsweise bei 33 Prozent und in Schweden sogar bei 36 Prozent.

So schlug auch bereits der European Centre for Disease Control (ECDC) Alarm, dass die Zahlen viel höher seien als erwartet. Laut WHO- und ECDC-Daten lagen in der letzten Dezemberwoche 2021 europaweit bereits 43 Influenza-Fälle auf den Intensivstationen, im gleichen Zeitraum des Vorjahres war es lediglich einer. Laut „Reuters“ gab es allein in Frankreich aktuell bereits 72 Fälle mit schwerem Verlauf und sechs Todesfälle. Auch wenn die Fallzahlen derzeit noch weit vom Vor-Corona-Niveau entfernt sind, zeigt dies deutlich, dass die Infektionsfälle derzeit zunehmen.

Grippewelle könnte sich parallel zur Corona-Pandemie aufbauen

Experten befürchten, dass sich die Lage schnell verschlimmern könnte, wenn wegen des Impffortschritts auch noch die Corona-Maßnahmen weiter fallen. „Wenn wir beginnen, alle Maßnahmen aufzuheben, besteht die große Sorge, die ich in Bezug auf Influenza habe, dass wir uns möglicherweise von den normalen saisonalen Mustern entfernen, weil wir so lange fast keine Zirkulation in der europäischen Bevölkerung hatten“, sagte Pasi Penttinen vom ECDC gegenüber „Reuters“. So könnte sich die Grippesaison weit über den Mai hinaus verlängern und als „Twindemie“ die Gesundheitssysteme noch mehr belasten. Das heißt, es könnten sich noch deutlich mehr Menschen als bisher infizieren und eine Welle weit über den Winter hinaus erzeugen – und das parallel zu Corona.

Dass dies durchaus möglich ist, zeigt sich beispielsweise in Brasilien, wo sich in Großstädten wie Rio de Janeiro und São Paulo die Influenza seit Dezember rasant ausbreitet und eine Art Superwelle mit weit über 20.000 Ansteckungen erzeugte. Und das zu einer untypischen Zeit, nämlich mitten im brasilianischen Hochsommer.

Deutlich Fahrt aufnehmen könnte eine solche Entwicklung in Europa laut ECDC-Experten noch, wenn sich erste Laborbeobachtungen bestätigten, dass die Grippeimpfstoffe, die jährlich neu angepasst werden, nicht effektiv genug gegen die gerade zirkulierenden Grippeviren sein könnten. Denn in dieser Saison dominiere H3 des A-Virus, der normalerweise die schwersten Fälle bei älteren Menschen verursacht, sagte Penttinen weiter gegenüber „Reuters“.

Kinder könnten am stärksten von Grippewelle betroffen sein

Keine guten Aussichten also. Vor allem eine Personengruppe neben älteren und vorerkrankten Menschen könnte es bei einer neuen Welle stärker treffen. So befürchtet Jana Husemann, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Hamburg laut „Stern“, dass unter anderem Kinder, die bisher gar keinen oder wenig Kontakt zu Grippeviren hatten, auch stärker betroffen sein könnten.

Im Moment gäbe es noch keine Hinweise auf eine Grippewelle und steigende Fallzahlen bei Kindern, beruhigt Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder rund Jugendärzte (BVKJ) gegenüber FOCUS Online. „Wir sehen im Moment eher eine milde Grippesaison sowie im letzten Winter, wo wir kaum Grippefälle gesehen haben“, erklärt der Mediziner, der selbst eine Kinderarztpraxis in Berlin betreibt.

Je mehr Kinder erkranken desto mehr komplizierte Verläufe

Sollte es aber zu einem Anstieg kommen, sehe dies anders aus: „Wenn eine Grippewelle kommt, wird es so wie jedes Jahr sein, dass auch Kinder erkranken und auch schwer erkranken,“ mahnt er. Das stünde aber nicht mit Corona in Zusammenhang. Ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf hätten Kinder daher nicht. „Im Prinzip kann Grippe in jeder Altersgruppe schwere Verläufe verursachen, aber wir sehen eher Kinder mit Vorerkrankungen, die vermehrt schwer betroffen sind.“

Da sich Influenza aber häufig in Kindergärten ausbreite, seien Kinder in dieser Altersgruppe am stärksten betroffen. Das sei daher ähnlich wie mit Corona: „Wenn die Fallzahlen steigen, gibt es eben auch mehr Fälle mit komplizierten Verläufen“, führt Maske aus. Auch wenn die Grippe im Grunde für Kinder eine eher harmlose Erkältungskrankheit sei und nur wenige von schweren Verläufen betroffen seien, würde Maske aber eine Empfehlung seitens der Ständigen Impfkommission für eine Grippeimfpung bei Kindern begrüßen. Bisher gilt die Empfehlung nur für ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Gerade auch für Kinder mit Vorerkrankungen wie Asthma oder Herz-Kreislauferkrankungen ist aber eine Grippeimpfung sinnvoll.

Grippe verläuft bei Kindern ähnlich wie bei Erwachsenen

Ähnlich wie bei Erwachsenen äußert sich die Grippe bei Kindern mit folgenden Symptomen:

  • plötzlich eintretendes, hohes Fieber
  • Unwohlsein
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
  • Schnupfen
  • Husten und Heiserkeit

Auch Bauchweh, Übelkeit , Erbrechen und Hautausschläge können auftreten. Die Beschwerden können nach einigen Tagen schon wieder nachlassen. Bessern sich Symptome nach einer Woche nicht, sollten betroffene Eltern mit dem Kind einen Arzt konsultieren. Vor allem, wenn das Fieber erneut steigt und das Kind schnell atmet oder auch über Ohrenschmerzen klagt. Denn zu den möglichen Komplikationen einer Grippe gehören Lungen, Mittelohr- und Mandelentzündungen. In der Regel sind Kinder aber nach spätestens zwei Wochen wieder gesund.

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