Gematik muss Alternativen prüfen

Im Streit um den flächendeckenden Austausch der TI-Konnektoren muss die Gematik jetzt offenbar mögliche Alternativen prüfen. Darüber informiert die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die auf eine Neubewertung der Situation gedrungen hatte. Vorausgegangen war eine Veröffentlichung im Computermagazin „c’t“, wonach sich der teure Hardware-Tausch wohl vermeiden ließe.

Rund 400 Millionen Euro muss die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wohl zusätzlich für die Digitalisierung der Arztpraxen in Deutschland locker machen, etwa 300 Millionen Euro davon für den Austausch der TI-Konnektoren. So hat Ende Juli die Schiedsstelle entschieden, wie die DAZ berichtete.

Doch ob der Tausch wirklich nötig ist, hatte erst kurz zuvor das Computermagazin „c’t“ infrage gestellt: Die Experten glauben nach einer technischen Prüfung, dass es durchaus möglich wäre, andere – deutlich weniger kostspielige – Wege zu finden, um die Zeit bis zum Jahr 2025 zu überbrücken. Dann soll die TI 2.0 stehen, die völlig ohne Konnektoren auskommen soll.

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Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung protestierte gegen den Tausch. „Dabei geht es neben den erwartbar hohen Kosten und erheblichen Belastungen für die Praxen, die es zu vermeiden gilt, auch um Nachhaltigkeit“, sagte KBV‐Chef Andreas Gassen dazu laut einer Pressemitteilung der KBV vom vergangenen Montag.

Alternativen-Prüfung statt Neubewertung

Von der Gematik forderte die Bundesvereinigung eine „lückenlose Aufklärung“ sowie eine Neubewertung der Lage – offenbar mit einem Teilerfolg: Wie die KBV nach der Gematik-Gesellschafterversammlung am gestrigen Dienstag informierte, konnte sie Vorstandsmitglied Thomas Kriedel zufolge erreichen, dass die Gematik zur nächsten Gesellschafterversammlung eine Alternativen-Prüfung zum Konnektorentausch vorzulegen hat. „Es muss alles auf den Tisch, damit wir Klarheit darüber haben, ob wirklich 130.000 Geräte mit Kosten von rund 300 Millionen Euro ausgetauscht werden müssen“, betont Kriedel in einer Mitteilung. Wie die ÄrzteZeitung berichtet, sei der Vorstoß der Kassenärzte zur Neubewertung der Situation zwar abgeschmettert worden, die Alternativen-Prüfung habe die KBV aber als Kompromiss durchsetzen können.

Kriedel: BMG-Position nicht nachvollziehbar

An sinnvollen Alternativen müssten eigentlich alle Seiten ein Interesse haben, meint Kriedel – auch im Sinne der Nachhaltigkeit und des schonenden Einsatzes knapper Ressourcen. „Vor diesem Hintergrund kann ich nicht nachvollziehen, warum insbesondere das Bundesgesundheitsministerium der von uns eingeforderten und beantragten Neubewertung der Situation und Lage nicht zugestimmt hat. Ich erwarte nun aber, dass die Gematik unsere konkreten Punkte und Fragen in ihrer Alternativenprüfung aufgreifen wird.“

Susanne Ozegowski, BMG-Abteilungsleiterin für Digitalisierung und Innovation, twitterte am gestrigen Dienstag, es sei ein „intensiver Austausch zum Konnektorentausch“ in der Gesellschafterversammlung gewesen. Klar sei aber, dass sich die Faktenlage gegenüber dem Beschluss im Februar nicht verändert habe. „Wir müssen die eigentliche Problemlage beheben: Das heißt, wir brauchen Finanzierungsrahmen für Wettbewerb, Qualität & faire Preise.“

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