Forscher finden neue Biomarker für Herzkrankheiten

Die koronare Herzkrankheit (KHK) gehört zu den häufigsten Todesursachen. Eine neue internationale Studie hat zahlreiche Biomarker identifiziert, die das Risiko einer KHK erhöhen und zur Diagnose und Behandlung dieser wegweisend sein können.

Immer mehr Menschen leiden unter Herzproblemen, das zeigen die Zahlen des Deutschen Herzberichts. Zu den am häufigsten auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen dabei die koronare Herzkrankheit (KHK), Bluthochdruck, Herzmuskelentzündungen und Herzrhythmusstörungen.

  • Auch spannend: Diese Herz-Medikamente können bei Hitze gefährlich werden

Alleine in Deutschland leiden rund sechs Millionen Betroffene an einer KHK, die lebensbedrohliche Folgen mit sich bringen kann. Entsprechend relevant ist die Untersuchung möglicher Risikofaktoren zur Früherkennung der Krankheit.

Gene können Herzerkrankungen begünstigen

Dass Gene bei Herzerkrankungen wie der KHK eine Rolle spielen können, ist bekannt. So wurden in den vergangenen 15 Jahren bereits 200 Genorte im menschlichen Genom identifiziert, die in Verbindung mit KHK stehen können. Bislang ist jedoch noch unklar, wie sich die genetischen Varianten auf die Funktion von Proteinen, Zellen oder Geweben auswirken und so Krankheiten auslösen können.

Die Stelle auf einem Chromosom, an dem ein Gen liegt.

Identifikation von 68 neuen Genen

Eine internationale Studie des „CARDIoGRAMplusC4D“-Konsortiums hat nun weitere Marker identifiziert, die das Risiko für die Volkskrankheit KHK nachweislich erhöhen können. Das kann nicht nur für die Prävention, sondern vor allem für die mögliche Behandlung elementar sein – vorausgesetzt, es gelingt der Wissenschaft, die Auswirkung der identifizierten Genorte auf die Funktion menschlicher Zellen zu entschlüsseln.

Die Koronare Herzkrankheit (KHK) bezeichnet eine durch Kalkablagerungen in den Gefäßen bedingte Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff, die Herzinfarkte, Herz-Rhythmus-Störungen oder einen plötzlichen Herztod bedingen kann.

Symptome der KHK – oft lange unbemerkt

Das Problem der KHK: Sie bleibt lange Zeit unbemerkt, was sich negativ auf die Behandlungsmöglichkeiten auswirken kann. Ist sie bereits fortgeschritten, zeigt sie sich in der Regel durch folgende Symptome:

  • Atemnot
  • Blutdruckabfall
  • erhöhter Puls
  • blasse Haut
  • Schweißausbrüche
  • Übelkeit
  • Oberbauchschmerzen
  • Angstgefühle

Bei genannten Symptomen sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Meist ist die KHK in diesem Stadium schon weit vorangeschritten.

Neuer Score kann Risiko einer KHK vorhersagen

Im Rahmen ihrer Untersuchungen untersuchten die Forschenden die DNA-Daten von mehr als einer Million Menschen hauptsächlich europäischer Abstammung, wovon 200.000 eine KHK aufweisen. Dabei erkannten sie 68 neue Genorte oder sogenannte Loci, Positionen eines Gens im Genom, die mit einem erhöhten KHK-Risiko in Verbindung gebracht werden können

Die Gene identifizierten die Wissenschaftler mit einem neu entwickelten Ansatz mit acht verschiedenen Beweislinien. Der neue Risikoscore umfasst mehr als zwei Millionen Varianten im Genom und kann das Risiko von einer neu auftretenden sowie einer wiederkehrenden KHK vorhersagen.

Neue Studie: „Wegweisend“ für die Behandlung koronarer Herzkrankheiten

Das Ziel der Forschenden: Die Ausweitung der Suche nach genetischen Assoziationen zu Herzkrankheiten, um zu demonstrieren, dass der neu entwickelte Analyseansatz die funktionellen Auswirkungen von krankheitsbezogenen genetischen Varianten aufdecken kann. Den Nutzen der Langzeitstudie fasst Jeanette Erdmann, Professorin und Direktorin des Instituts für Kardiogenetik an der Universität Lübeck, zusammen. Die Studie sei „wegweisend auf dem Gebiet der Genetik der koronaren Herzkrankheit“:

  • Sie liefert neue Erkenntnisse zu den genetischen Ursachen der KHK,
  • stell eine Liste von Genen und genetischen Varianten für zukünftige Untersuchungen bereit und
  • demonstriert eine Analysemethode für die Identifizierung kausaler Gene

Zukünftiges Ziel: Entwicklung passender Therapieansätze

Letzterer Punkt könne zukünftig auch zur Erforschung anderer Krankheiten genutzt werden. „Wir hoffen, dass unser Ansatz Arbeitsgruppen, die sich mit genomweiten Assoziationsstudien anderer Erkrankungen befassen, dazu ermutigt, ähnlich systematisch genetische Loci mit mehreren Evidenzlinien zu untersuchen und ihre Ressourcen für andere Forschende zur Abfrage bereitzustellen“, erläutert Erdmann.

  • Lesen Sie auch: TV-Ärztin Rubin verrät, wie Sie mit Wasser Ihren Blutdruck senken

Wie die Wissenschaftlerin betont, besteht der Nutzen der Studie vor allem in der Wegbereitung möglicher neuer Untersuchungen, die „unabdingbar für die Entwicklung von neuen Therapien sind.“ Erdmann prognostiziert, dass mögliche zukünftige Untersuchungen, die eine größere Anzahl von Populationen mit unterschiedlichen Vorfahren umfassen, „wahrscheinlich mehr Erkenntnisse liefern als solche, die sich auf Teilnehmer mit europäischer Abstammung beschränken“.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen