Deutschlands auffälligste Corona-Kritik: Das ist der Mann mit den 100.000-Euro-Annoncen

Für eine sechsstellige Summe schaltet der Unternehmer Hermann Butting ganzseitige Annoncen in regionalen und überregionalen Medien, auf der die Grundrechte abgebildet sind. Was aber steckt dahinter?

Gut möglich, dass der eine oder andere Zeitungsleser in Deutschland vergangenes Wochenende verwundert innehielt. Die Grundrechte abgedruckt als ganzseitige Annonce? Was hat es damit auf sich?  

Geschaltet hat die Anzeige der Unternehmer Hermann Butting. Und zwar nicht nur in der Regionalpresse in Braunschweig, wo sein Familienunternehmen sitzt, sondern auch in der "Süddeutschen Zeitung", der "Zeit" und der "Bild am Sonntag". Seine Botschaft hat sich Butting einiges kosten lassen. „Da bewegen wir uns im sechsstelligen Bereich“, sagt er im Gespräch mit FOCUS Online. Nur, welche Botschaft will der Mann überhaupt deutschlandweit unter die Leute bringen?

"Für Toleranz, Verbundenheit und Menschenwürde"

Butting ist kein Corona-Leuger, so viel vorab. Auch kein Impfgegner. Aufschluss über seine Mission gibt ein kleingedruckter Satz unter der Annonce: „Für Toleranz, Verbundenheit und Menschenwürde. Es ist Zeit, gemeinsam eine neue Corona-Schutz-Strategie zu erarbeiten.“

Wie wichtig Butting sein Aufruf ist, wird im Gespräch schnell deutlich. Da spricht ein Mann, der sich aufrichtig um die Stimmung im Land und die gesellschaftlichen Spannungen als Folge der Coronakrise sorgt. „Mein Aufruf ist eine Einladung, darüber nachzudenken, ob wir die Werte, die im Grundgesetz festgeschrieben werden, gerade aktuell noch uneingeschränkt anwenden“, erklärt er.

Vor allem in einer möglichen Impfpflicht sieht der Unternehmer eine große Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft und kritisiert die aus seiner Sicht zunehmende Ausgrenzung von Ungeimpften. Butting selbst ist geimpft und bietet Impfungen auch regelmäßig in seinem Unternehmen an. Trotzdem meint er: „Wir müssen ungeimpfte Menschen mitnehmen und sie dürfen am Ende nicht als Verlierer dastehen.“ Der Schutz von Leben und Gesundheit sei wichtig, müsse von der Politik jedoch unter der Prämisse der Einigkeit der Bevölkerung betrieben werden – „auch mit denen, die sich nicht impfen lassen wollen“. Auch die Kollateralschäden für Gesellschaft und Wirtschaft wären im Zuge der Corona-Politik viel zu wenig berücksichtigt worden. Die Verhältnismäßigkeit habe gefehlt.

Corona-Pandemie: Eine Frage der Perspektive

Neu sind diese Kritikpunkte nicht. Ganz ähnlich argumentierte beispielsweise die FDP, als sie vor der Bundestagswahl noch in der Opposition saß. Dementsprechend leicht lässt sich auch die Gegenposition beziehen: War und ist die vorrangige Aufgabe von politischem Gesundheitsschutz nicht der Schutz von Menschenleben? Ist eine nach weltweit geltenden wissenschaftlichen Standards geprüfte und sichere Impfung nicht der schnellste und effektivste Weg, um zukünftige Kollateralschäden an Mensch und Wirtschaft durch eine restriktive Corona-Politik zu verhindern? Und es ist nicht eher so, dass eine kleine Gruppe der Gesellschaft ihre Solidarität verweigert und sie dafür in Haft nimmt?

Buttings Meinung dazu ist klar. Was ihm fehlt, ist die Ausgewogenheit der bisherigen Maßnahmen im Kampf gegen das Virus.

Bei seiner Strategie bleibt der Unternehmer eher vage

Und der Ausweg, die neue Strategie? Butting macht Vorschläge, bleibt dabei aber eher im Vagen. Es brauche qualitative, hochwertige Tests und eine sehr gut ausgebaute Testinfrastruktur. „Diese Tests müssen kostenlos und verpflichtend für alle sein. So können auch Ungeimpfte am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, argumentiert er.

Doch sieht so ein versöhnlicher Umgang mit dem Virus aus? Eine allgemeine Testpflicht als neue Normalität, statt einer allgemeinen Impfpflicht? Unproblematisch ist der Vorschlag jedenfalls nicht.

So wäre die Impfung als sicherster Schutz vor dem Virus auf einen Schlag deutlich unattraktiver. Erleichterungen wären damit schließlich nicht mehr verbunden und die Entscheidung gegen eine Impfung ließe sich leichter treffen. Ausgeklammert würden dadurch auch der eigentliche Sinn und Zweck einer Immunisierung. Nach wie vor soll sie in erster Linie vor schweren und tödlichen Krankheitsverläufen schützen. Und das kann selbst der akkurateste Test nicht leisten.

Am Ende ist Buttings Strategie-Vorschlag, obwohl teuer beworben, eben nur eine bereits bekannte Meinung auf der liberalen Seite des Spektrums.

Dass er sie prominent geäußert hat, besitzt dennoch einen Wert. Denn wenn eines wichtig ist in der Corona-Pandemie, dann die konstruktiv-kritische Debatte über den richtigen Umgang mit ihr. Eine einseitige Annonce mit dem Grundgesetz ist da sicher nicht der schlechteste Weg.

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