Das zukünftige „Quality Land“ der Apotheken?

Ach wie herrlich einfach und kostengünstiger könnte das Apothekenwesen funktionieren, würden Apotheken mit Arzneimittel verkaufenden Supermarkt- und Drogerieketten und Versandapotheken symbiotisch zusammenleben, meint FAZ-Autor Jonas Prenissl im Beitrag  „Apotheken unter Druck“ in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Schließlich könnten bestimmte Medikamente auch im Supermarkt und ohne Approbation abgegeben werden. Bei der Maskenabgabe seien die Apotheken „sinnvoll“ gewesen, aber auch nur „vom Grundsatz her“. 

Im „Quality Land“ (Erklärung der Redaktion: satirisches dystopisches Buch von Marc-Uwe Kling) von „FAZ“-Autor Jonas Prenissl ist kein Platz für einfache Apotheken: Vernetzt sich die Welt zwar mehr und mehr und in allen denkbaren Bereichen, ist Prenissl das Netzwerk der Apotheken offenbar jetzt schon zu groß (auch wenn es seit Jahren schrumpft) – als „riesig“ beschreibt er es in seinem Print-Beitrag „Apotheken unter Druck“ oder Online unter „Sind Apotheken noch zeitgemäß?“ –, und vor allem auch unzeitgemäß teuer. Selbst Edeka verfüge über gerade einmal 11.000 Filialen bundesweit, wohingegen die Apotheken mit 18.753 (Stand 2020) aufwarteten. Den kleinen Denkfehler bemerkt der Autor jedoch gleich selbst im nächsten Satz – schließlich kann man Brot und Tomaten auch bei Rewe oder Lidl kaufen oder auf dem Markt. Bei Arzneimitteln wird das schwierig – doch genau da liegt dem FAZ-Artikel zufolge wohl auch der Hund begraben: in der Monopolstellung der Apotheken bei der Arzneimittelversorgung.

Mehr Wettbewerb lockert Strukturen

Ideen für Reformen hat sich der Autor beim Gesundheitsökonomie-Professor Konrad Obermann geholt, der sich mehr Flexibilität und Wettbewerb, auch mit anderen potenziellen Arzneimittelanbietern wie Drogeriemärkten, Supermärkten und Versandapotheken wünscht – das könne „Bewegung in die starren Strukturen bringen“, zitiert die FAZ Professor Obermann. Wie fair der Wettbewerb zwischen dm und der benachbarten Einzel-Apotheke wohl sein würde? Doch könnte man mit der Teilverlagerung der Arzneimittelversorgung wohl zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Denn wie ist außerdem vertretbar, fragen „Kritiker“ in der FAZ, dass „hoch qualifizierte, gut bezahlte Apotheker lediglich den Patienten das Medikament heraussuchen“ und die Einnahmehinweise vom PC abläsen?

Arzneimittelabgabe geht auch im Supermarkt

Genau hier sieht Prenissl künftig Potenzial für Supermärkte und Drogerien, wo sodann – wie er selbst schreibt – „deutlich weniger qualifiziertes Personal“ das „Aushändigen“ von „bestimmten Medikamenten“ übernehmen könne. Ob das dann auch merkt, dass Silomat nicht gleich Silomat ist – vor allem bei Schwangeren? Oder Loperamid nicht das optimale Durchfallmittel für einen Viertklässler auf Klassenfahrt? Und Nacht- und Notdienste übernimmt?

Beratungshonorar gerechtfertigt?

In FAZ-Text bleibt unklar, welche „bestimmten Medikamente“ denn supermarkttauglich wären und welche nicht – oder für wen –, und ob der Autor solche alltäglichen Apotheken-Praxisfälle noch unter purem „Aushändigen“ abstempelt oder vielleicht doch schon eine Beratung nötig ist. Doch selbst in puncto Beratung habe Stiftung Warentest in einer nicht repräsentativen Studie in 38 Apotheken „eklatante Mängel“ aufgezeigt, weiß Prenissl. „Ist das Beratungsentgelt dann noch adäquat?“, fragt er, und meint damit die 8,35 Euro „Beratungs-Personal-Festbetrag“, die die Arzneimittelpreisbildung berücksichtigt (den Apothekenabschlag der GKV von 1,77 Euro hat der Autor an dieser Stelle wohl vergessen). Ohnehin moniert Prenissl die fehlende Evidenz, wenn es um die Beratungsleistung der Apotheken geht, denn die Ergebnisse der apothekereigenen Pseudo-Customer-Tests würden nicht öffentlich gemacht.

Interessant ist an dieser Stelle noch eine weitere Untersuchung von Stiftung Warentest, in der es just auch um die Zufriedenheit der Patienten mit der Beratung der Apotheke ging: „Die meisten Umfrage-Teilnehmer zeigen sich ‚zufrieden‘ oder gar ’sehr zufrieden‘ mit den Informationen zu den Arznei­mitteln, die sie vom Arzt beziehungs­weise Apotheker erhalten“, schrieb Stiftung Warentest 2017. Bei den rund 13.300 Patientenrückmeldungen kreuzten 19 Prozent „sehr zufrieden“ an, 57 Prozent entschieden sich für die zweite Zufriedenheitsstufe.

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