COVID-19: Wie lange hält die Immunität durch Antikörper? – Heilpraxis

Corona: Schwindende Antikörper nach Erkrankung

Millionen Menschen weltweit haben sich bereits mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 angesteckt und die Infektion beziehungsweise die durch das Virus ausgelöste Erkrankung COVID-19 überstanden. Viele von ihnen hoffen, dass sie dadurch jetzt immun gegen den Erreger sind. Nun gibt es neue Erkenntnisse zur Beständigkeit neutralisierender Antikörper.

Bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bildet der Körper Antikörper, die den Erreger bekämpfen können. Frühere Studien deuteten darauf hin, dass nach einer durchlebten COVID-19-Erkrankung ein ähnlicher Schutz wie durch eine Impfung besteht. Doch laut neuen wissenschaftlichen Untersuchungen schwinden die Antikörper.

Basis für geplante Folgeuntersuchungen

Fachleuten zufolge ist es noch immer eine offene Frage, inwiefern nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion der Schutz vor einer Neuinfektion besteht. Neue Befunde dazu liefert jetzt die „Rheinland Studie“, eine bevölkerungsbezogene Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) im Raum Bonn.

Laut einer Mitteilung belegen Blutproben aus dem vergangenen Jahr, dass eine wichtige Komponente der Immunität – die Konzentration spezifischer, neutralisierender Antikörper gegen das Coronavirus – nach vier bis fünf Monaten bei den meisten Studienteilnehmenden mit einer vorherigen Infektion abgenommen hatte.

Bei manchen Genesenen sank der Antikörper-Spiegel sogar unter die Nachweisgrenze. Diese in dem Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlichten Ergebnisse legen die Basis für geplante Folgeuntersuchungen.

Meist milder oder asymptomatischer Verlauf

Im Rahmen der Rheinland Studie – eine laufende DZNE-Studie, die die Gesundheit in der Bevölkerung untersucht – wurden zwischen April und Juni 2020 rund 5.300 erwachsene Bonnerinnen und Bonner auf Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 untersucht. Dafür wurden von den Teilnehmenden Blutproben entnommen und analysiert.

Diese Proben durchliefen bei positivem Erstbefund in einem sogenannten Immunoassay zusätzlich einen „Plaque-Reduktions-Neutralisationstest“, um sicherzustellen, dass sich die nachgewiesenen Antikörper spezifisch gegen SARS-CoV-2 richteten – und nicht gegen andere Coronaviren, die zum Beispiel normale Erkältungen auslösen können.

Das Forschungsteam der Rheinland Studie kooperierte für diese Analysen mit dem Institut für Virologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Wie in der Mitteilung erklärt wird, sind Antikörper vom Immunsystem produzierte Eiweißstoffe, mit dem sich der menschliche Organismus gegen Krankheitserreger zur Wehr setzt. Den Angaben zufolge konnten bei 22 Studienteilnehmenden „neutralisierende“ und somit besonders wirksame Antikörper, die das Eindringen von SARS-CoV-2 in Zellen unmittelbar verhindern, nachgewiesen werden – was auf einen früheren Kontakt mit dem Virus hindeutete.

Die Mehrheit dieser Personen berichtete lediglich von einem milden oder gar asymptomatischen Krankheitsverlauf. Sie wurden im September 2020 – also etwa vier bis fünf Monate nach der ersten Blutprobe – erneut getestet.

Es zeigte sich: Bei den meisten war der Antikörper-Spiegel gesunken; bei vier Personen konnten sogar keine Antikörper mehr nachgewiesen werden.

Nur ein Teil hatte spezifische Antikörper

„Diese Untersuchungen fanden während der ersten Welle der Pandemie statt. Die Zahl der Menschen, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits infiziert hatten, war daher relativ gering. Inzwischen haben wir eine andere Situation“, so die Leiterin der Rheinland Studie Prof. Monique Breteler.

„Unsere Ergebnisse lassen dennoch den Schluss zu, dass das weit verbreitete, nur einstufige Verfahren zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern mittels Immunoassay unzureichend ist, um eine überstandene Infektion zuverlässig nachzuweisen“, sagt die Expertin.

„In unserer Stichprobe hatte jedenfalls nur etwa ein Drittel der Personen, die beim Immunoassay positiv waren, tatsächlich spezifische Antikörper gegen SARS-CoV-2. Das sollte bei Studien zur Immunität berücksichtigt werden. Aus meiner Sicht ist ein mehrstufiges Testverfahren, wie wir es angewandt haben, dringend zu empfehlen.“

Noch wenig über Dauer der Immunität bekannt

Allerdings lässt sich aus diesen Studiendaten nicht direkt ableiten, inwieweit das Schwinden der Antikörper die Immunantwort beeinflusst, erläutert Dr. Ahmad Aziz, DZNE-Wissenschaftler und Erstautor der aktuellen Veröffentlichung.

„Der Rückgang an Antikörpern scheint relativ schnell zu gehen. Das Immunsystem hat allerdings weitere Instrumente, um Krankheitserreger abzuwehren. Antikörper sind zweifelslos bedeutsam, aber nur Teil eines größeren Arsenals. Andere Studien deuten darauf hin, dass eine andere Komponente, die wir die zelluläre Immunantwort nennen, trotz fallender Antikörper-Spiegel weiterhin Bestand haben kann.“

Tatsächlich ist noch wenig über die Dauer der Immunität gegenüber SARS-CoV-2 nach einer Infektion bekannt. Dies könnte auch von der jeweiligen Virusvariante abhängen.

„Seitens der Rheinland Studie wollen wir die Entwicklung der Pandemie weiterverfolgen und ihre Auswirkungen auf die geistige und körperliche Gesundheit der Bevölkerung erfassen. Unsere Untersuchung ist die Grundlage dafür“, so Studienleiterin Breteler. „Letztlich wollen wir helfen, besser zu verstehen, warum manche Menschen eine Infektion gar nicht bemerken und andere schwer erkranken.“

Dafür setzen die Forscherinnen und Forscher auf den Datenbestand der Rheinland Studie. Von allen Teilnehmenden werden umfangreiche Daten zu Gesundheit und Lebensstil erfasst, etwa zum Blutbild, Körperzusammensetzung, Herz-Kreislauf-Funktion sowie zu Schlaf, Ernährung und körperlicher Aktivität.

„Über alle Studienteilnehmer haben wir Hintergrundinformationen, die für die Gesundheit relevant sind. Diese könnten ein Schlüssel sein, um die Auswirkungen einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu verstehen und Risikofaktoren zu identifizieren“, erklärt Breteler. (ad)

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