COVID-19: Krankheitsübertragung durch Luft neu definiert – Heilpraxis

Luft als Risikofaktor für Infektionen – Präventionsstrategien

Die Übertragung durch sogenannte Aerosole spielt bei COVD-19 eine maßgebliche Rolle. Eine Infektion kann damit auch über die Luft erfolgen, was insbesondere in geschlossenen Räume ein erhebliches Problem darstellt. Verbesserungen der Raumlüftung und der Luftqualität in Innenräumen sind daher wichtige Faktoren bei der Prävention – nicht nur von COVID-19, sondern auch von anderen Infektionskrankheiten, die über Aerosole weitergeben werden können.

„Mehr als ein Jahr nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie diskutieren wir immer noch über die Rolle und Bedeutung der aerosolbasierten Übertragung von SARS-CoV-2“, kritisiert das Team um Julian W Tang von der University of Leicester in einem aktuellen Beitrag des Fachmagazins „British Medical Journal“ (BMJ). Dabei sei eindeutig nachgewiesen, dass die Aerosole eine maßgebliche Rolle bei den Infektionen spielen. Hier seien nun entschlossene Maßnahmen zur Verbesserung der Innenraumluftqualität erforderlich, was auch der Prävention anderer Erkrankungen diene.

Bisherige Definitionen missverständlich

Die Erkenntnisse zur Übertagung von COVID-19 durch Aerosole haben nach Einschätzung der Expertinnen und Experten die Krankheitsübertragung über die Luft neu definiert. Die bisherige Unterscheidung zwischen Tröpfcheninfektionen und luftgetragenen Infektionen sei hier missverständlich.

Aerosole als Infektionsweg

Menschen, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind, produzieren beim Ausatmen viele kleine, mit Viren beladene Atemwegspartikel und dies können von Personen, die sich in einer typischen Gesprächsdistanz befinden, sofort eingeatmet werden, erläutern die Expertinnen und Experten. Auch könnten sich die Aerosole über größere Entfernungen verteilen und von weiter entfernten Personen (über zwei Meter Abstand) eingeatmet werden. Zudem verbleiben die Aerosole in geschlossenen Räumen in der Luft.

„Wenn wir davon ausgehen, dass jemand in einem Innenraum genug Viren einatmen kann, um eine Infektion zu erleiden, wenn er mehr als zwei Meter von der ursprünglichen Quelle entfernt ist – selbst wenn diese bereits weg ist -, dann wird ein Luftaustausch oder eine Luftreinigung sehr viel wichtiger“, betonen die Fachleute. Hier seine entsprechende Verbesserung anzustreben, um das Infektionsrisiko zu minimieren, denn kleinste Schwebeteilchen können sich über Stunden in der Luft befinden.

Luftqualität mehr Bedeutung beimessen

Durch das Tragen von Masken, das Halten von Abstand, die Handhygiene und die Reduzierung der Personenzahl in Innenräumen kann das Risiko einer Übertragung, sei es durch direkten Kontakt mit Oberflächen, durch Tröpfcheninfektionen oder durch Einatmen von Aerosolen, reduziert werden, doch muss der Belüftung mehr Bedeutung beigemessen werden, so die Einschätzung der internationalen Expertinnen und Experten.

COVID-19 könne durchaus zu einer saisonal wiederkehrenden Erkrankung werden, so dass wir damit leben müssen, ähnlich wie mit der Grippe. „Daher sollten Regierungen und Gesundheitsverantwortliche die Wissenschaft beherzigen und ihre Bemühungen auf die Übertragung durch die Luft konzentrieren“, fordern die Fachleute.

Das könne auch bedeuten, Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen nachzurüsten bzw. zu installieren. Denn in Räumen ohne öffenbare Fenster und ohne Lüftungsanlage sei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sehr viel größer.

Weitere Vorteile der Luftqualitätsverbesserung

Eine verbesserte Innenraumluftqualität durch bessere Belüftung bringe zudem weitere Vorteile mit sich, „wie zum Beispiel einen geringeren Krankenstand bei anderen Atemwegsviren und weniger umweltbedingte Beschwerden wie Allergien.“ Dies wiederum führe beispielsweise in Betrieben auch zu geringeren Fehlzeiten, so dass erhebliche Kosten eingespart und damit die Ausgaben für die Aufrüstung der Belüftungssysteme gedeckt werden könnten.

Schutzwirkung von Masken

Zudem habe die Ausbreitung über die Luft auch Bedeutung in Bezug auf das Tagen von Masken. So sei die Qualität der Maske für einen wirksamen Schutz gegen eingeatmete Aerosole wichtig. Zwar seien die meisten Masken effektiv gegen große Tröpfchen und zumindest teilweise auch wirksam gegen das Einatmen von Aerosolen. Doch um den Schutz vor Aerosolen zu verbessern, seien „sowohl eine hohe Filtereffizienz als auch eine gute Passform erforderlich, da winzige luftgetragene Partikel ihren Weg durch jede Lücke zwischen Maske und Gesicht finden können.“

Mittlerweile ist klar, dass SARS-CoV-2 hauptsächlich zwischen Menschen im Nahbereich durch Einatmen übertragen wird und in diesen Nahbereichssituationen ist es viel wahrscheinlicher, dass Menschen das Virus durch Einatmen aufnehmen, „als dass es in großen Tröpfchen durch die Luft fliegt und auf ihren Augen, Nasenlöchern oder Lippen landet“, betonen die Fachlaute. (fp)

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