Bautzens Impfquote ist miserabel, aber die Corona-Inzidenz super – wie geht das?

Die Impfquote im gesamten Land ist längst nicht so hoch, wie Experten sich das wünschen. Doch nirgendwo werden so wenige Spritzen gesetzt wie im Osten – allen voran Sachsen. Fast 20 Prozentpunkte liegt das Bundesland hinter dem Spitzenreiter Bremen. Und die Corona-Fallzahlen steigen wieder. Nur im Kreis Bautzen lassen die Zahlen wundern: Die Inzidenz, am Freitag lag sie bei 18,8, gehört zu den niedrigsten im ganzen Land. Wie kann das sein?

Ende vergangenen Jahres spitzte sich die Lage in Sachsen zu, die Infektionszahlen explodierten. Besonders kritisch war die Lage im Kreis Bautzen. Zwischenzeitlich lag der Sieben-Tage-Inzidenzwert bei mehr als 500 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen. Mittlerweile gelten 41,9 Prozent der Bevölkerung laut Robert Koch-Institut (RKI) als vollständig geimpft. Das ist wenig. Zum Vergleich: die bundesweite Impfquote liegt derzeit bei 62 Prozent.

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Sorgen die Genesenen für niedrige Inzidenz?

Wie kann es also sein, dass die Inzidenz derzeit so niedrig sind? Könnten die vielen Genesenen, knapp 27.000 Menschen sollen es sein, einen positiven Einfluss auf die Coronalage haben? Alexander Dalpke, Chef des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, ist davon nicht überzeugt. Gegenüber der "Sächsischen Zeitung" sagte er: "Die Zahl der Genesenen reicht nicht aus, um die Inzidenz niedrig zu halten."

Selbst wenn man Genesene und Geimpfte zusammenrechne, genüge das nicht, um eine Herdenimmunität von 85 bis 90 Prozent zu erreichen. Eine solche aber sei notwendig, um die Delta-Variante des Virus einzudämmen, erläutert der Virologe. Der Genesene-Anteil in Bautzen reiche für einen solchen Effekt nicht aus. Zumal der auch die niedrige Impfquote in der Region nicht ausgleicht.

Impfquote könnte Bautzen bald Sorgen bereiten

Stattdessen könne es sein, dass die Ferien ihren Beitrag dazu leisteten, dass die Corona-Zahlen in Bautzen derzeit so niedrig sind. Anfang Juli, als es dort in die Ferien ging, waren die Inzidenzen sehr niedrig. Das wirke jetzt noch nach, meint Christian Jassoy, kommissarischer Leiter des Bereichs Forschung und Lehre am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie in Leipzig. Wo es weniger Ansteckungsherde gebe, verbreite sich das Virus als Folge zunächst auch langsamer als an einem Ort mit vielen Infizierten, erklärt er dem Blatt.

In anderen Worten: was anderswo bereits sichtbar ist, könnte in Bautzen jetzt erst richtig anlaufen. "Die Daten sprechen dafür, dass die Infektionszahlen in der Region einfach nur etwas später steigen“, sagt Alexander Dalpke. "Die Ferien sind in Sachsen erst jetzt zu Ende gegangen; die reiseimportierten Infektionen kommen erst jetzt langsam ans Licht."

Stichhaltig klären lässt sich nicht, warum Bautzens Inzidenz derzeit so niedrig ist. Vieles bleibt Spekulation. So könne es auch sein, dass einige Menschen nun auf Grund der hohen Fall- und Todeszahlen bei der letzten Welle vorsichtiger agieren würden. Sicher sind sich die beiden Experten aber in einem Punkt: Auch in Bautzen werden die Infektionszahlen wieder steigen. Schon bald könnte der Kreis dann, befürchtet Jassoy, sogar schlechter dastehen als viele andere Regionen. Als wesentlichen Knackpunkt sieht er die niedrige Impfquote. "Die Intensivstationen", prognostiziert auch Dalpke, "werden sich mit Ungeimpften füllen".

Quellen: Sächsische Zeitung, Impfdashboard

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