Weniger Menschen neu mit HIV infiziert

Im Vergleich zu 2016 ist die Zahl von neuen HIV-Ansteckungen im vergangenen Jahr leicht gesunken. Sie werde auf etwa 2700 geschätzt, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in einem neuen Report. Für die Vorjahre 2014 bis 2016 werden nach der aktuellen Modellrechnung jeweils 2900 Neuinfektionen angenommen. Deutschland gehöre zu den europäischen Ländern mit der niedrigsten Neuansteckungsrate, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

RKI-Präsident Lothar Wieler führte den Rückgang insbesondere auf effektive und frühzeitige Behandlungen nach Diagnosen, den Ausbau zielgruppenspezifischer Testangebote und eine allgemein gestiegene Testbereitschaft zurück. Denn je früher ein HIV-positiver Mensch von seiner Diagnose weiß und mit der Therapie beginnt, desto geringer ist das Risiko, dass er oder sie weitere Personen ansteckt.

Spahn verwies in diesem Zusammenhang auf jüngste Entscheidungen der Bundesregierung, den Verkauf von HIV-Selbsttests freizugeben. Außerdem sollen Krankenkassen bei Risikogruppen die Kosten für Medikamente übernehmen, die vor einer Infektion schützen.

Risikobewusstsein bei Heterosexuellen ist geringer

Auch in der Gruppe der homo- und bisexuellen Männer, bei der nachweislich das höchste Infektionsrisiko besteht, hat sich die Zahl der Neuinfektionen von 2300 im Jahr 2013 auf 1700 im Jahr 2017 reduziert. Die Testbereitschaft in dieser Gruppe sei möglicherweise auch deshalb gestiegen, weil Nutzer von Dating-Apps in Profilen zunehmend Angaben zum HIV-Status und dem letzten Testdatum machten, heißt es.

Bei Heterosexuellen wird in den vergangenen Jahren ein langsamer Anstieg der Neuinfektionen gesehen. Ihnen fehlt es laut RKI an einem Bewusstsein für ein HIV-Risiko. Dadurch ließen sich die Menschen seltener testen. Bei Frauen werde die Mehrheit der HIV-Diagnosen erst beim routinemäßigen Schwangeren-Screening gestellt.

Insgesamt lebten Ende 2017 rund 86.000 Menschen in Deutschland mit HIV oder Aids, davon etwa 11.400 ohne von ihrer Diagnose zu wissen, schätzt das RKI. Die meisten Betroffenen sind Männer, die nach eigenen Angaben Sex mit Männern haben (53.100), darauf folgen die Gruppe der heterosexuellen Männer und Frauen (11.000) und Drogenabhängige (8100).

Da HIV-Diagnosen oft erst Jahre nach der Infektion gestellt werden, können Ansteckungsraten und die Gesamtzahl der Menschen mit HIV nur mithilfe von Modellrechnungen abgeschätzt werden. Das RKI verwendet dazu unter anderem Daten aus dem Melderegister für Infektionskrankheiten und Verkaufsdaten antiretroviraler Therapien.

HIV-Therapien werden immer besser

Der Anteil der Menschen, die HIV-positiv diagnostiziert wurden und eine Therapie erhalten, ist von 78 Prozent im Jahr 2006 auf 92 Prozent im Jahr 2017 angestiegen. Etwa 95 Prozent dieser Therapien verliefen laut RKI-Bericht erfolgreich. Zudem gibt es geschätzt 6000 Menschen hierzulande, die zwar diagnostiziert wurden, aber noch nicht behandelt werden. Das können etwa Menschen ohne Papiere oder ohne Krankenversicherung sein.

Medikamente zur Vorbeugung einer HIV-Infektion nehmen dem Bericht zufolge wohl bereits mehrere Tausend Menschen. Die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe (Prep) ist in der EU seit 2016 zugelassen und in Deutschland seit Herbst 2017 zu erschwinglicheren Preisen erhältlich. Sie spielt aber nach RKI-Einschätzung bei der Entwicklung der Zahlen bis Ende 2017 „noch keine maßgebliche Rolle“. Das sieht die Deutsche Aids-Hilfe anders: Die zunehmende Verbreitung habe „vermutlich bereits Einfluss genommen“, erklärte die Organisation.

HIV wird meistens beim Sex übertragen. Unbehandelt führt eine Infektion zu einer zunehmenden Schädigung des körpereigenen Abwehrsystems und darauf folgend auch oft zum Tod. Mit Medikamenten lässt sich die Entwicklung der Immunschwächekrankheit Aids heute aber verhindern. Bei erfolgreicher Therapie kann die Viruslast im Körper von HIV-positiven Menschen so weit absinken, dass laut RKI „keine Übertragungen mehr“ beobachtet würden.

Im Video: HIV positiv – Mein Leben mit dem Virus


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