Tödlicher Gemüseauflauf: Warum bittere Zucchini unbedingt in den Müll gehören

Als der 79-Jährige und seine Frau mit starken Bauchschmerzen ins Krankenhaus kamen, dachten die Ärzte zunächst an einen Magen-Darm-Infekt. Der Mann aus Baden-Württemberg konnte den Ärzten noch berichten, was beide gegessen hatten: einen Auflauf mit Zucchini aus Nachbars Garten, der sehr bitter geschmeckt habe. Kurz darauf starb der Rentner, seine Frau überlebte. Wegen des widerlichen Geschmacks hatte sie weniger gegessen als ihr Mann.

Am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart wurden im Spätsommer die Reste der Mahlzeit analysiert. Die Experten fanden darin ein fast vergessenes Gift: Cucurbitacin, das Toxin der Kürbisgewächse, zu denen Zucchini, Gurken und Melonen zählen.

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Auch in Schleswig- Holstein und Niedersachsen mussten in den letzten Jahren zwei Frauen mit Magen-Darm- Symptomen zum Arzt. Beide hatten Zucchini gegessen. Und ein paar Jahre zuvor war in Leipzig eine Achtjährige nach heftigem Erbrechen in die Uniklinik gekommen. Hier war die Ursache wohl eine Kürbiscremesuppe, die die Familie als „leicht bitter“ beschrieb. Alle erholten sich wieder. Schwere oder gar tödliche Vergiftungen durch Kürbisgewächse sind zum Glück selten. Allerdings melden sich immer wieder Menschen bei Giftnotrufzentralen, denen es nach Genuss von Zucchini oder Kürbissen schlecht geht.

Rund 40 Cucurbitacine kennt man bisher. Sie sind starke Zellgifte und zerstören die Magenschleimhaut, was zu schweren Brechanfällen führt. Zum Glück für uns Verbraucher wurde den heute erhältlichen Gemüsen die Giftigkeit weitgehend weggezüchtet. Betrachtet man die Welt dagegen aus Sicht einer Pflanze, sind Toxine eine feine Sache: Wer Wurzeln hat, kann nicht weglaufen und muss sich chemisch gegen Insekten und sonstige Fressfeinde wehren. Fairerweise hat die Evolution dafür gesorgt, dass viele Gifte so bitter schmecken, dass Mensch und Tier darauf mit Ekel reagieren.

Die Landwirtschaft hat sich darauf eingestellt und in den letzten Jahrzehnten Zucchini, Grapefruits, Äpfel oder Salate mit immer weniger Bitterstoffen herangezogen. Vielleicht schüttet man dabei allerdings das Kind mit dem Bade aus, denn viele dieser Substanzen scheinen im Körper wichtige Funktionen zu erfüllen: Lactucopikrin aus Chicoree oder Cynarin aus Artischocken regen den Fluss von Speichel und Magensäure an und erleichtern die Verdauung von Fett. Bitterstoffe wie Saponine sind wohl für die cholesterinsenkende Wirkung von Hülsenfrüchten verantwortlich.

Vorsicht bei Gemüse aus dem eigenen Garten

Extremen Bittergeschmack sollte man aber immer als Warnung betrachten und gerade von selbst gezogenem Gemüse vor dem Kochen ein Stück probieren. Schmecken Zucchini, Gurke oder Kürbis auffällig: weg damit. Das Gift zerfällt beim Kochen nicht. Es lohnt sich, Saatgut zu kaufen statt nachzuziehen. Denn in Samen aus eigener Produktion kann sich das Erbgut wieder in giftige und ungiftige Pflanzenlinien aufspalten. Und da Kürbisgewächse gern miteinander anbandeln, raten Experten davon ab, Speisesorten neben Zierkürbisse zu pflanzen. Letztere produzieren viel Cucurbitacin, und das kreuzt sich bei der Bestäubung ins Gemüse ein.

Im Garten sollte man Kürbisgewächse gut wässern, denn bei Stress durch Trockenheit bilden sie mehr Gift. Das könnte dem Rentner aus Baden- Württemberg zum Verhängnis geworden sein – der Sommer 2015 war warm und sonnig.

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