Du spürst nichts beim Sex? Zu weite Scheide, kleiner Penis – das hilft

Wenn beim Geschlechtsverkehr keine echte Reibung zustande kommt, frustriert das Mann und Frau gleichermaßen und verhindert den Orgasmus. Was die wirklichen Gründe für das „Lost-Penis-Syndrom“ sind und wie erfüllter Sex wieder möglich wird.

Auf anonymen Internetforum taucht dieser Hilferuf immer wieder auf „Meine Vagina ist zu weit, ich spüre beim Sex nichts mehr“, so klagen Frauen. „Mein Penis fühlt sich in ihrer Vagina richtig verloren an, sie ist viel zu groß“, kritisieren Männer.

Ganz nebenbei vermitteln sie, dass der Fehler, wenn es beim Sex nicht klappt, oft bei der Frau gesucht wird, das tun Frauen sogar selbst. Und zum zweiten, dass für viele Paare erfüllter Sex vor allem Penetration und Mechanik bedeutet, obwohl es jede Menge anderer Variationen gäbe, um den Höhepunkt zu erreichen.

Bin ich schon drin?

Vor allem jedoch zeigen sie jedoch, dass der Leidensdruck hoch ist, wenn Penis und Vagina keinen richtigen Kontakt haben können, wenn gar nicht richtig gespürt wird, ob der Penis schon in der Vagina ist oder nicht. Dann löst sich jegliche Lust in Nichts auf. Die wichtigsten Fragen lauten dann: Was ist die Ursache und wie lassen sie sich abstellen, damit Sex wieder lustvolles Erlebnis wird?

Lost-Penis-Syndrom – oft sind beide „schuld“

Ob es jedoch wirklich nur bei einem der beiden Partner liegt, lässt sich oft nicht eindeutig bestimmen. Fest steht, dass beim Lost-Penis-Syndrom während der Penetration zu wenig oder gar keine Reibung entsteht. Und Reibung ist für die Nervenstimulation in Klitoris, Vagina und Penis wichtig, damit es zum Höhepunkt kommt und der darauf folgenden Entspannung.

Tatsache ist, dass häufig beide Risikofaktoren aufeinandertreffen: Weite Scheide und ein Problem mit dem Penis. Es liegt also nicht nur an der Frau, sondern oft auch am Mann oder bei beiden Partnern.

Ursachen bei der Frau: Die dauerhaft zu große Scheide ist extrem selten

Doch wann ist eine Vagina zu weit? Letztendlich kommt es immer auf das subjektive Gefühl an. Genaue Maßangaben gibt es nämlich nicht. Als ungefähre Richtlinie gilt, dass ein bis drei Finger in die Vagina passen. Bleibt dann immer noch viel Spielraum, kann die Scheide etwas weit sein. Mögliche Ursachen dafür sind:

Die drei letzten Faktoren wirken sich auf das Gewebe und die Festigkeit der Vagina aus, sie schwächen die Beckenbodenmuskulatur. Die Vagina wird schlaff und weit.

Welche Ursachen beim Mann in Frage kommen

Oft scheint jedoch einfach der Penis zu klein zu sein, was die geheime Furcht vieler Männer ist. Die gute Nachricht: Auch vermeintlich kleine Exemplare wachsen während der Erektion auf mindestens das Dreifache ihrer ursprünglichen Größe an.

Stichwort Erektion: Ist sie richtig hart, kann auch ein kleiner Penis mit der richtigen Technik in einer weiten Vagina Reibung und damit Lust erzeugen. Bei der Härte mangelt es jedoch oft. Mehr als jeder zweite Mann über 40 Jahren klagt über Erektionsprobleme berichtet Sexualmediziner Frank Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit. Schuld an Erektionsproblemen sind bestimmte Volkskrankheiten und unser Lebensstil:

  • Stress
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Bluthochdruck
  • Arteriosklerose
  • Diabetes
  • Übergewicht

Jedem Mann kann geholfen werden

Meist lässt sich der Auslöser der Erektionsprobleme selbstständig, ohne ärztliche Hilfe, beheben. Denn die meisten Männer kennen die persönliche Ursache ganz genau, wenn sie ehrlich sind. Klar, dass bei einer 60-Stunden Woche und Erreichbarkeit rund um die Uhr ob per Mail oder Handy, der Penis schlapp macht. Dieses Risiko besteht auch nach der abendlichen Flasche Rotwein. Bekannt ist außerdem, dass Rauchen die Gefäße verengt (Arteriosklerose). Das wird zuerst am Penis offensichtlich, weil seine Arterie die kleinste im Körper ist und sich deshalb Ablagerungen dort besonders schnell auswirken – als Erektionsschwäche.

Krankheiten wie Arteriosklerose, Bluthochdruck und Diabetes müssen vom Arzt abgeklärt werden. Er bestimmt die richtige Therapie und rät zur entsprechenden Änderung des Lebensstils. Oft stimmt dann die Erektion wieder. Notfalls wird ihr mit PDE-5-Hemmern (Viagra, Cialis 20mg) auf die Sprünge geholfen.

Frauen profitieren vor allem von Beckenbodentraining

Das beste Mittel für Frauen mit erschlaffter, weiter Vagina lautet Beckenbodentraining. Denn die beiden Hauptmuskeln, die den Beckenboden ausmachen, lassen sich gezielt trainieren. Das funktioniert etwa mit der Rückbildungsgymnastik nach der Geburt. Spätestens vier Monate nach der Niederkunft sollte damit gestartet werden. Nach weiteren fünf Monaten ist der Beckenboden dann wieder so stark wie vorher, die Muskeln fest – und damit die Vagina wieder straff.

So bleibt sie jedoch nur, wenn regelmäßig weiter Beckenbodengymnastik gemacht wird, am besten täglich für einige Minuten. Übrigens stärken auch viele Sportarten gezielt den Beckenboden, etwa Pilates oder Reiten.

Vaginalstraffung per Operation

Nur in den seltensten Fällen ist die Vagina nach Geburten so strapaziert, dass Beckenbodentraining zu wenig hilft. Dann besteht die Möglichkeit einer Operation, der Vaginalstraffung. Meist setzt der Chirurg dabei Spezialnähte, wie etwa nach einem Dammriss. Zusätzlich werden die natürlichen Aufhängebänder der Vagina gekürzt.

Daneben sollen kosmetische Eingriffe, wie etwa Hyaluronsäureinjektionen die Vagina aufpolstern. Die sanfte Wirkung bleibt jedoch nur für einige Monate bestehen und die Injektionen in die Vagina müssten ständig wiederholt werden (Kosten pro Behandlung ab 800 Euro).

Neue, weniger aufwendige Therapieoptionen wie etwa die Radiofrequenztherapie, die mit einem Wärmestab die Vagina straffen soll, sehen viele deutsche Gynäkologen noch kritisch. Langzeitfolgen sind noch nicht absehbar und damit nicht abzuschätzen, wie etwa bösartige Veränderungen

Anlaufstelle für interessierte Frauen

Frauen, die sich für eine Operation interessieren, sollten sich an ihren Gynäkologen oder besser noch Urogynäkologen wenden. Entsprechende Ärztinnen und Ärzte, die sich zusätzlich qualifiziert haben für Behandlungen und Operationen der Vagina und des Beckenbodens finden Sie beispielsweise bei der Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und Beckenbodenrekonstruktion.

Sex ist Kopfsache

Paare, die sich die Frage stellen – ist die Vagina zu weit oder der Penis zu klein – , sollten also zuerst einmal feststellen, ob es wirklich ein Problem der „Hardware“ ist und ob Mann und Frau nicht der Mechanik, Stichwort Reibung, einen zu großen Stellenwert geben.

Nicht zuletzt ist Orgasmus bei Mann und Frau ja sogar bekanntlich ganz ohne äußere Stimulation möglich – etwa ausgelöst durch Träume beim Schlafen. Sex ist Kopfsache und für viele Sexualwissenschaftler gilt das Gehirn als das wichtigste Sexualorgan des Menschen. Gehen Sie Sex also gerne mal spielerischer an, mit mehr Fantasie, und nicht immer nur als das bekannte „Rein-Raus-Rein-Raus-Spiel“.

Und falls Sie trotzdem davon überzeugt sind, Größe der Vagina und/oder des Penis verhindern lustvollen Sex, lassen Sie sich bitte von Spezialisten beraten, bevor Sie sich vorschnell zu einer Intimoperation entscheiden.

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