Anzeichen im Schlaf: Spezielle Störung kündigt Demenz schon 15 Jahre vorher an

Demenz kann lange vor der tatsächlichen Diagnose erkannt werden. Dafür finden Forscher immer öfter unerwartete Zusammenhänge – etwa mit einer Schlafstörung oder den Pupillenreaktionen. FOCUS Online erklärt Frühwarnzeichen, Risikofaktoren und was Sie für Ihre Hirngesundheit tun können. 

Außer einer Krebserkrankung fürchten viele Menschen Demenz. Die neurodegenerative Erkrankung und das damit einhergehende Vergessen machen ihnen Angst. Daher lauten die beiden Schlüsselbegriffe: Symptome früh erkennen und Risikofaktoren ausschalten. Denn ist Demenz, häufig Alzheimer, einmal ausgebrochen, lässt sich das Leiden höchstens verzögern, jedoch nicht heilen. 

Für beide Schlüsselworte liefert die Forschung immer neue, oft überraschende, Erkenntnisse. 

Früherkennung: Diese Symptome kündigen Demenz an

1. Veränderte Augenreaktionen

Schon bevor der Hirnverfall beginnt, könnten die Augen eine Demenz ankündigen. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Fachmagazin “Neurobiology of Aging”, zeigt: Wie schnell Pupillen sich in kognitiven Tests weiten, liefert Hinweise darauf, ob jemand gefährdet ist. Hintergrund: Die für Demenz verantwortlich gemachten Tau-Proteine lagern sich in der steuernden Hirnregion ab und verändern so die Augenreaktionen.

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2. Spezielle Schlafstörung

Wer nachts in seinen Träumen um sich schlägt und tritt, leidet an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Forscher in Kanada fanden heraus, dass Patienten mit dieser ungewöhnlichen Traumstörung ein 80 bis 100 Prozent höheres Risiko haben, später eine Erkrankung im neurodegenerativen Bereich zu entwickeln wie etwa Parkinson und Demenz.  

Natürlich ist nicht jeder Albtraum ein Vorzeichen für diese Krankheiten. Entscheidend ist, dass die Störung im REM-Schlaf auftritt. Diese Phase kennzeichnet sich durch schnelle Augenbewegungen bei geschlossenen Lidern. 

Die Studie aus Kanada deutet darauf hin, dass Schlafstörungen ein Frühwarnzeichen für Krankheiten sind, die etwa 15 Jahre später auftreten können. 

Weitere Anzeichen für Demenz  

Auch Vergesslichkeit kann ein Hinweis auf Demenz sein. Konkret können Sie das an folgenden Anzeichen festmachen: 

  • Sie vergessen zunehmend Verabredungen.  
  • Sind mehrere Menschen an einem Gespräch beteiligt, haben Sie Schwierigkeiten zu folgen.  
  • An den Inhalt von Gesprächen können Sie sich schon nach kurzer Zeit nicht mehr erinnern. Ereignisse, die länger zurückliegen, sind Ihnen dagegen noch sehr präsent.  
  • Sie haben Probleme, sich in Ihrer eigenen Wohnung oder im altbekannten Supermarkt zurechtzufinden.  
  • Sie finden sich an einem Ort oder in einem Zimmer wieder und haben vergessen, was Sie dort eigentlich tun wollten.  
  • Es fällt Ihnen schwer, eine Mahlzeit zuzubereiten, die mehrere einzelne Schritte erfordert.  
  • Beim Lesen müssen Sie Abschnitte mehrmals wiederholen, um sie zu verstehen, und können sich nicht mehr so gut konzentrieren.  
  • Sie sind schusseliger und nachlässiger geworden.  
  • Ihnen fehlen immer häufiger die richtigen Worte. 

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Was Sie selbst tun können 

Auf die unterschiedlichen Frühwarnzeichen kann jeder achten, um eine Erkrankung möglichst früh behandeln zu lassen. 

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Darüber hat es jeder in der Hand, die eigenen Risikofaktoren für den Gehirnverfall zu minimieren. Ausnahmen sind folgende: 

Drei Risikofaktoren für Demenz, die nicht beeinflussbar sind 

Sieben klassische Risikofaktoren für Demenz, die veränderbar sind

„Etwa 30 Prozent des Alzheimer-Risikos lassen sich durch sieben Risikofaktoren erklären, die wir mehr oder minder wirksam beeinflussen können“, sagt die Demenz-Forscherin Miia Kivipelto vom Karolinska-Institut in Stockholm. Es sind:

Anja Schneider, Leiterin der Arbeitsgruppe für translationale Demenzforschung am Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), ergänzt die Liste um schlechtes Hören: „Das führt zu sozialer Isolation, was wiederum in einer Depression enden kann. Mit einem Hörgerät wäre ein Risikofaktor für Demenz leicht auszuhebeln.“ Verschiedene Studien hätten bereits gezeigt, wie wichtig dieser Faktor sei. 

Kürzlich entdeckte Risikofaktoren für Demenz und wie Sie sich schützen 

Beobachtungsstudien haben darüber hinaus folgende Risikofaktoren ausgemacht: 

  • Small Vessel Disease: Einblutungen in den kleinen Gehirngefäßen (Small Vessel Disease) werden im MRT als Läsionen sichtbar. Sie können bei Patienten mit Bluthochdruck auf eine drohende Demenz hinweisen. Eine Studie an der Universität Barcelona zeigte, dass Hypertoniker mit zunehmenden Läsionen in den Hohlräumen (Ventrikeln) des Gehirns ein mehr als sechsfach erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen hatten.  

Empfehlung: Bluthochdruck sollte daher ab einem Alter von 45 Jahren behandelt werden. 

  • Psychischer Stress in mittleren Jahren: Dazu gehören finanzielle und berufliche Probleme und dadurch entfachte Ängste und Sorgen. Die Demenz-Häufigkeit ist bei den Betroffenen um rund ein Viertel erhöht.  

Empfehlung: Sport in diesem Alter wirkt nicht nur gegen Stress, sondern auch präventiv gegen Demenz. 

  • Leben ohne Partner: Wer im Alter allein lebt und sich einsam fühlt, hat ein höheres Demenz-Risiko – laut Studien um 44 Prozent. Paare haben ein geringeres Risiko, weil sie insgesamt gesünder leben als Singles, und auch mehr soziale Kontakte pflegen. 

Empfehlung: Erweitern Sie Ihr soziales Umfeld beispielsweise über Vereine, Volkshochschulkurse oder ehrenamtliche Tätigkeiten. 

  • Kurzer REM-Schlaf – Forscher der Boston University fanden heraus, dass verkürzte REM- oder Traumschlaf-Phasen das Alzheimer-Risiko steigern. Eine andere Studie, durchgeführt an der Washington University School of Medicine in St. Louis, fand wiederum heraus, dass alte Menschen mit schlechtem Tiefschlaf mehr schädliche Tau-Proteine im Gehirn hatten.

Empfehlung: Guter Schlaf in all seinen Phasen scheint ein wichtiger protektiver Faktor gegen Demenz zu sein.

Mit vier Schritten bremsen Sie den Verfall Ihres Gehirns 

An diese Empfehlungen knüpft auch der amerikanische Professor für Psychiatrie, Gary Small, an (Buch: „2 Weeks To A Younger Brain: An Innovative Program for a Better Memory and Sharper Mind” – „2 Wochen für ein jüngeres Gehirn: Ein innovatives Programm für ein besseres Gedächtnis und einen scharfsinnigeren Geist“; bisher nur auf Englisch erschienen). 

Das sind seine vier wichtigsten Schritte der „Formel“ für gesundes Altern: 

1. Seien Sie aktiv 

Schon 20 Minuten schnelles Gehen täglich reichen, um Demenz vorzubeugen. Das Erkrankungsrisiko sinkt laut Gary Small damit drastisch. Sportliche Betätigung setzt Proteine frei, sodass Hirnzellen besser miteinander kommunizieren.  

2. Ernähren Sie sich gesund 

Wer in der Mitte seines Lebens übergewichtig ist, riskiert damit, in späteren Jahren an Demenz zu erkranken. Small erklärt, dass Menschen, die ihr Gewicht reduzieren, schon nach zwei Wochen erhebliche Verbesserungen in ihrem Gedächtnis feststellen können. 

Außerdem sollen Omega-3-Fette aus Fischen oder Nüssen dabei helfen, Entzündungen, die mit Hirnverfall zusammenhängen, zu bekämpfen. Früchte und Obst sollen zudem oxidativen Stress mindern, der zum Verschleiß von Hirnzellen beiträgt. 

3. Vermeiden Sie Stress 

In seinem Buch beschreibt er auch, wie Gefühle den menschlichen Körper beeinflussen. Wer viel Stress hat, schüttet jede Menge Cortisol aus. Das kann nicht nur Herz und Magen schaden, sondern auch dem Gehirn. Menschen, deren Gehirne chronisch zu viel Cortisol ausgesetzt sind, haben demzufolge ein höheres Risiko für Krankheiten wie Alzheimer. 

Sein Tipp: Fahren Sie den Körper regelmäßig herunter, indem Sie Sportarten wie Yoga oder Tai-Chi praktizieren oder meditieren.  

4. Trainieren Sie Ihren Geist 

Gute Kontakte zu Freunden machen nicht nur glücklich, sondern trainieren auch das Gehirn. Schon eine zehnminütige, anspruchsvolle Konversation kann das Gedächtnis verbessern, wie Forscher in Michigan herausgefunden haben. Wer sich zudem über ein emotionales Thema unterhält, baut dabei Stress ab und schützt die Neuronen im Gehirn. 

Auch an den digitalen Technologien findet Small etwas Gutes: Es gebe Spiele für Smartphones, die Fähigkeiten wie Multitasking und Problemlösungsstrategien ausbauen. Wer Online-Suchmaschinen benutze, könne zudem neuronale Schaltkreise aktivieren.

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