Die Pille danach als Notfallverhütung: Das müssen Sie beachten

Die wichtigsten Fakten zur „Pille danach“: Frankreich, Belgien, Dänemark – sie alle haben sie schon seit Jahren: die „Pille danach“ ohne Rezept. Nun gibt es die Notfallverhütung auch in Deutschland. Alles was Sie zur postkoitalen Verhütung mit „PiDaNa“ und „ellaOne“ wissen müssen.

  • Die "Pille danach" gibt es rezeptfrei
  • In Deutschland sind die Präparate "PiDaNa" und "ellaOne" erhältlich
  • Doch Vorsicht! Die "Pille danach" ist kein Verhütungsmittel und hat Nebenwirkungen

Der Bundesrat hat den Weg für die rezeptfreie "Pille danach" frei gemacht. Am 13. März 2015 stimmte er für die Änderung der Arzneimittelverordnung. Seit 15. März 2015 können nun Notfallverhütungsmittel ohne Verschreibung durch einen Arzt in den Apotheken erhältlich sein. Mit der Freigabe folgt Deutschland als eines der letzten Mitglieder einer Empfehlung des EU-Arzneimittelkomitees.

Diese beiden Präparate sind erhältlich

Nachdem die Politik die Weg für eine Freigabe der "Pille danach" geebnet hat sind in Deutschland zwei Präparate erhältlich. "PiDaNa" wirkt mit dem synthetischen Gestagenhormon Levonorgestrel und kann bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Sex eingenommen werden. Seit 2009 gibt es zudem "ellaOne" mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (kurz UPA), das bis zu fünf Tage nach dem Verkehr wirkt.

Apotheken dürfen die "Pille danach" ohne Rezept abgeben. Der Verkauf per Versandhandel bleibt jedoch verboten. Das würde ohnehin die Wirkung der Notfallverhütung unnötig verzögern.

Das kostet die "Pille danach"

Je nach Präparat kostet die "Pille danach" zwischen 17 Euro ("PiDaNa") und 35 Euro ("ellaOne"). Die Kosten erstatten die gesetzlichen Krankenkassen allerdings nur mit Rezept und nur für Frauen bis 20 Jahren.

So bekommen Frauen die "Pille danach"

Auch wenn es die "Pille danach" rezeptfrei gibt: Frauen sollten das Präparat besser persönlich in der Apotheke abholen. Denn schicken sie nach einer Verhütungspanne ihren Partner oder eine andere Person, könne der Apotheker die Herausgabe verweigern, erläutert der Präsident der Bundesapothekerkammer Andreas Kiefer. Das gilt etwa dann, wenn der Apotheker Zweifel habe, dass es sich um einen Notfall handelt – oder er annimmt, dass das Medikament missbräuchlich angewendet wird.

Das Medikament "auf Vorrat" abzugeben, sei nicht vorgesehen. "Mädchen unter 14 Jahren sollten sich bei der Anwendung von Notfallverhütungsmitteln ärztlich beraten lassen. Sie bekommen diese Medikamente im Regelfall nicht in der Selbstmedikation." Außerdem sei eine Beratung zur „Pille danach“ wichtig, um abzuklären, ob die Einnahme für die Betroffene unbedenklich oder nicht doch ein Arztbesuch notwendig ist, so Kiefer. Bestes Angebot auf BestCheck.de

Die "Pille danach" ist kein Verhütungsmittel

Der Präsident der Apothekerkammer betont, die "Pille danach" sei kein Verhütungsmittel und nur für den Notfall gedacht. Zudem biete sie wie andere Verhütungsmittel keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Schwangerschaft.

Wirkung

Das Medikament wirkt umso sicherer, je früher es nach dem Sex eingenommen wird. Das Restrisiko, dass eine Schwangerschaft entsteht, liegt unter drei Prozent. Es greift in den Hormonhaushalt der Frau ein und verschiebt oder verhindert den Eisprung so, dass keine Befruchtung stattfinden kann. Auch nach der "Pille danach" sollten Paare verhüten und Frauen die normale Pille weiter nehmen.

Sollte die Eizelle sich bereits im Eileiter oder in der Gebärmutter befinden, wird Gynäkologen zufolge weder die Befruchtung noch das Einnisten in die Gebärmutter verhindert.

Ärzteverbände sind diesbezüglich skeptisch. In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe warnten die Mediziner, der Wirkstoff UPA könne in großer Menge auch abtreibende Wirkung haben. Werde nur eine UPA-Tablette mit der 30-Milligramm-Dosis eingenommen, sei die Einnahme sicher. Aber: "Wenn UPA höher dosiert wird und bereits eine Schwangerschaft vorliegt, kann es zu einem Abort kommen, also zu einer Abtreibung und zu lebensbedrohlichen Blutungen für die Frau", so Gröhe.

  • Test: Sind Sie sexsüchtig?
  • In diesen Fällen können Sie auf ein Kondom verzichten
  • Test: Wie gut ist Ihr Sexualleben
  • Besserer Sex für alle: Die besten Apps für die schönste Nebensache der Welt

Nebenwirkungen

Durch die Einnahme der "Pille danach" drohen ein verschobener Zyklus, eine verstärkte Menstruation und die Entstehung von Schmierblutungen. Auch Schwindel, Kopfschmerzen, Spannungsgefühle in der Brust, Übelkeit oder Erbrechen können auftreten. Wenn man sich innerhalb von etwa zwei bis drei Stunden nach der Einnahme übergibt, wirkt die "Pille danach" möglicherweise nicht mehr.

Zweifel an Wirksamkeit

Unsicherheiten gibt es bezüglich der Wirksamkeit bei Frauen ab einem Gewicht von 75 Kilogramm. Von den beiden angebotenen Substanzen wirke der eine überhaupt nicht, "der andere ist ab 95 Kilo problematisch", sagt der Tübinger Universitätsklinikarzt Diethelm Wallwiener, amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, dem FOCUS.

Bei den Apothekern spielten derlei Bedenken indes keine Rolle. In einer Handlungsempfehlung für ihre Mitglieder schreibt die Bundesapothekerkammer, die "Pille danach" könne "unabhängig vom Körpergewicht oder vom Body-Mass-Index" eingenommen werden.



Quelle: Den ganzen Artikel lesen