Jeans im Ökotest: In 15 Hosen steckt ein krebserregender Stoff – auch in Markenprodukten

Die Jeans ist das wohl beliebteste Kleidungsstück der Welt. Laut Öko-Test sind die meisten Bluejeans allerdings nicht empfehlenswert. Der Grund ist mangelnde Transparenz in den Lieferketten: Viele Hersteller geben nicht an, woher die Baumwolle für die Jeans stammt, wo die Stoffe gefärbt werden oder die Jeans letztendlich genäht wird – und können insofern auch keine fairen Bedingungen bei der Produktion gewährleisten.

Aber auch giftige Inhaltsstoffe, die bei der Produktion entstehen bzw. eingesetzt werden, kritisiert das Verbrauchermagazin. Im Test fiel ein Schadstoff besonders ins Gewicht: Der Farbstoffbestandteil Anilin, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Öko-Test hat sich 21 Damen-Jeans genauer angeschaut, darunter vier Jeans fairer Marken und 17 konventionelle Jeans. Mit dabei waren Marken wie H&M oder Levi’s sowie die Fair-Fashion-Labels Armedangels und Hessnatur. Die Preisspanne reichte von 10 bis 150 Euro.

Woher kommt die Jeans?

Einen besonderen Fokus legten die Tester dieses Mal auf die Produktionsbedingungen. Sie wollten wissen: Wo kommt die Jeans her? Wie steht es um Löhne, Sicherheit und Umweltschutz entlang der Lieferkette?

Die gute Nachricht zuerst: Faire Marken wie Armedangels und Hessnatur schneiden bei der Transparenz und Glaubwürdigkeit sehr gut ab. Beide Hersteller sind Mitglieder der Fair Wear Foundation, die bessere Arbeitsbedingungen und Sozialstandards in der Textilproduktion durchsetzen will, unter anderem existenzsichernde Löhne. Die Fair Wear Foundation überprüft diesbezüglich das gesamte Unternehmen – setzt aber keine Umweltstandards fest.

Hohe Umweltstandards gewährleistet dafür die GOTS-Zertifizierung, die ebenfalls beide faire Jeans tragen. GOTS zählt in punkto Ökologie zu den höchsten Maßstäben der Textilbranche, angefangen beim Anbau der Bio-Baumwolle. Auch Öko-Test rät dazu, sich beim Jeanskauf besonders an diesen beiden Labels zu orientieren.

Warum Öko-Test faire Jeans abwertet

Trotz der guten Ergebnisse bei der Glaubwürdigkeit und Transparenz erhielten die beiden fairen Jeans im Test nur die Note „befriedigend“. Die Tester stellten sie damit auf eine Stufe mit konventionellen Herstellern, die keine oder nur anteilig Bio-Baumwolle verwenden – und die beim Punkt Glaubwürdigkeit und Transparenz ein schlechteres Ergebnis erzielten. Der Grund: Öko-Test fand in den Jeans von Armedangels und Hessnatur Anilin – und wertete die Jeans deshalb beim Testergebnis Inhaltsstoffe gleich um vier Noten ab.

Der krebsverdächtige Farbbestandteil stammt aus dem synthetischen Farbstoff Indigo, der Bluejeans die markante Farbe verleiht. Eine gesetzliche Regelung gibt es nicht, weil eben nur der Verdacht besteht, dass der Stoff krebserregend ist. Das GOTS-Siegel setzt aber einen Grenzwert für zertifizierte Jeans fest. Demnach dürfen in GOTS-zertifizierten Jeans maximal 100 Milligramm pro Kilogramm enthalten sein.

Dazu muss man auch wissen: GOTS verbietet den Einsatz von freiem Anilin, das über den Stoff auf die Haut kommen kann. Allerdings kann Anilin als Spaltprodukt entstehen – weil man das Vorkommen der Chemikalie somit nicht ausschließen kann, gibt es den Grenzwert.

Bereits 2017 hatte Hessnatur in einem Test von Kinderjeans ein schlechtes Ergebnis bekommen, weil Öko-Test Anilin in einer Hose gefunden hatte. Damals konnte Öko-Test fünf Milligramm Anilin pro Kilogramm nachweisen. Im aktuellen Test fand Öko-Test auch in der Jeans von Armedangels fünf Milligramm pro Kilogramm. Ein Wert, der weit unter der Grenze von GOTS liegt.

Das Problem mit Anilin

Die Chemikalie Anilin ist ein Kontaktgift, das über die Haut aufgenommen wird. Einem taz-Bericht zum Kinderjeans-Test von 2017 zufolge ist es aber nur problematisch, wenn es frei verfügbar ist. Laut einer Pressemitteilung des IVN von 2017 ist das bei GOTS-zertifizierten Jeans nicht der Fall. Dort heißt es: „Anilinverbindungen sind Bestandteil von synthetischen Farbstoffen und in der Regel in der Grundstruktur des Farbstoffs fest gebunden.“

Öko-Test macht diesen Unterschied aber offenbar nicht und wertet GOTS-zertifizierte und konventionelle Jeans gleichermaßen ab, wenn Anilin – egal in welcher Form – gefunden wurde.

Konventionelle Jeans sind nicht empfehlenswert

Die meisten konventionellen Jeans erhielten die Noten „mangelhaft“ und „ungenügend“. Öko-Test kritisiert auch hier Schadstoffe (Anilin und halogenorganische Verbindungen) und mangelnde Transparenz und Glaubwürdigkeit. Viele Hersteller können oder wollen ihre Lieferkette nur wenig oder gar nicht offenlegen. Die Zehn-Euro-Jeans von „H&M“ erhielt unter anderem deshalb die Note „mangelhaft“, die Markenjeans von Levi’s ist sogar „ungenügend“.

Trotz Öko-Test: Faire Jeans sind besser!

Betrachtet man die Ergebnisse von Öko-Test, macht es auf den ersten Blick keinen Unterschied, ob man sich für faire oder konventionelle Jeans entscheidet. Beschäftigt man sich intensiver mit den Ergebnissen, wird aber klar: Fair ist besser. Allein schon, wenn man sich die katastrophalen Bedingungen der konventionellen Jeansproduktion ansieht: Was kann eigentlich an Jeans bio, fair oder vegan sein?

Faire Jeans wurden im Test einzig wegen des Farbstoffs Anilin so stark abgewertet – Öko-Test zog gleich vier Notenpunkte ab. Anilin ist problematisch, ja. Dennoch versuchen faire Labels immerhin, das Vorkommen des Schadstoffs zu verhindern – etwa, indem sie ihre Jeans GOTS-zertifizieren lassen, wodurch der Stoff gar nicht erst zum Einsatz kommen darf.

Bio-Jeans: Darauf kannst du achten

Im Gegensatz zu konventionellen Jeans-Herstellern setzen sich nachhaltige Labels für eine faire, umweltfreundliche Produktion ein. Sie versuchen glaubwürdig, die Bedingungen für Arbeiter und Betriebe entlang der gesamten Lieferkette zu verbessern – und sind deshalb empfehlenswerter als konventionelle Hersteller.

Beim Kauf: Achte besonders auf das GOTS-Siegel, es gewährleistet eine umweltfreundliche Produktion entlang der gesamten Lieferkette und soziale Mindeststandards. Ist das Label zusätzlich Mitglied der Fair Wear Foundation, herrschen zumindest in der Produktion faire Bedingungen.

Dieser Artikel wurde verfasst von Stefanie Jakob

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*Der Beitrag „Jeans im Ökotest: In 15 Hosen steckt ein krebserregender Stoff – auch in Markenprodukten“ stammt von Utopia. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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